So laut und lange hatte es an der Deutschen Börse in Frankfurt schon lange nicht mehr gebimmelt. Eine halbe Minute lang wirbelte René Schuster, Geschäftsführer von Telefónica Deutschland, die schwere Börsenglocke durch die Luft. Ein Händler, der hinter ihm stand, hielt sich die Ohren zu. Das hatte nicht einmal Talanx-Chef Herbert Haas beim Börsengang des Versicherers am 2. Oktober geschafft. Die Erleichterung stand Schuster und seinen Vorstandskollegen Rachel Empey und Markus Haas ins Gesicht geschrieben: O2, die Deutschland-Tochter des spanischen Telekomkonzerns ist endlich an der Börse.
Wochenlang war das Vorstandstrio unterwegs gewesen, hatte die Finanzzentren der Welt bereist, im Gepäck die Geschichte, mit der sie Investoren von der O2-Aktie überzeugen wollten. Sie hat offenbar überzeugt, das Börsendebüt war äußerst erfolgreich. Der Startkurs, zu dem das Papier 20 Minuten nach neun erstmals gehandelt wurde, lag mit 5,70 Euro 10 Cent über dem Ausgabepreis, den Telefónica am Montagabend offiziell bekannt gegeben hatte. Rund 1,5 Mrd. Euro hat das spanische Unternehmen damit erlöst. Das Geld fließt direkt an die spanische Mutter, die damit einen kleinen Teil ihrer Schulden von rund 58 Mrd. Euro abbauen will. Bis zum Mittag legte die Aktie knapp 1,4 Prozent auf 5,78 Euro zu.
Die Stimmung nach dem Debüt war gelöst. Während die spanischen Telefónica-Mitarbeiter gespannt die Preisentwicklung der Aktie an den Börsentafeln im Handelssaal verfolgten, sprach O2-Chef Schuster von einem "besonderen Meilenstein in unserer Unternehmensgeschichte". Börsenvorstand Frank Gerstenschläger freute sich indes, "dass dieser Börsengang der Größte seit dem Jahr 2007 an der Frankfurter Wertpapierbörse ist". Damals hatte der Motorenbauer Tognum bei seiner Erstnotiz rund 2 Mrd. Euro eingesammelt. In Europa ist der Börsengang in diesem Jahr ebenfalls einzigartig. Zuletzt hatte die spanische Sparkassenholding Bankia im Juli 2011 in Madrid 3,1 Mrd. Euro erlöst.
Und selbst die wenigen Händler, die ihren Arbeitsplatz noch auf dem Parkett am Frankfurter Börsenplatz haben, ließen sich von der Begeisterung des O2-Managements und der Investmentbanker anstecken. Einige unter ihnen haben in der Zeit vor der Flaute am deutschen Markt für Erstnotizen die Börsengänge vieler großer Unternehmen miterlebt. "Endlich ist hier wieder Stimmung in der Bude", entfuhr es einem von ihnen.
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