Die Entspannung währte nur kurz: Die Rendite von Anleihen aus Spanien mit zehnjähriger Laufzeit ist nach anfänglichen Kursgewinnen zeitweise auf 7,3 Prozent gesprungen - so hoch war sie noch nie seit Einführung des Euro. Zum Schluss der Vorwoche hatten die Papiere noch mit 6,9 Prozent rentiert. Eine Verzinsung oberhalb von sieben Prozent gilt für die hoch verschuldeten Staaten in der Euro-Zone langfristig als untragbar. Bei Anleihen bewegen sich Renditen und Kurse in entgegengesetzte Richtung, so dass steigende Verzinsungen auf Verkäufe der Papiere durch Investoren hinweisen.
Als Grund führten Marktteilnehmer an, dass es nahezu unausweichlich sei, dass die Spanier vom Kapitalmarkt abgeschnitten werden - weil es für das Land schlicht zu teuer wird, neue Schulden aufzunehmen. Kein anderer großer Industriestaat ist derzeit am Anleihemarkt derart unter Druck wie Spanien. Nach dem 9. Juni hatte sich die Lage für Madrid drastisch zugespitzt. An diesem Tag beantragte die Regierung 100 Mrd. Euro Hilfe für marode Banken.
Nick Eisinger, Anleiheanalyst bei Fidelity Investments sagte: "Der Markt bleibt skeptisch, weil der Bankendeal letztlich nichts an der kritischen Situation der spanischen Wirtschaft ändert. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Spanien in den kommenden sechs bis neun Monaten Hilfe braucht." Eisinger schätzt die Kosten für ein Spanien-Programm auf 300 Mrd. Euro für drei Jahre - zusätzlich zu den Milliarden für die Geldinstitute.
Zahlen der spanischen Zentralbank zeigen zudem, dass der Anteil der faulen Kredite gemessen am Gesamtportfolio der Banken im April mit 8,72 Prozent auf den höchsten Stand seit 18 Jahren gestiegen ist. Die Risikopapiere summieren sich auf 153 Mrd. Euro.
Auch die Rendite italienischer Anleihen ging wieder nach oben. Sie stieg über 6 Prozent - nach 5,9 Prozent am Freitag. Griechische Anleihen rentierten hingegen mit 24,855 Prozent und damit gut 80 Basispunkte niedriger als am Freitag.
Die Renditen von Anleihen aus Staaten, die als sicher gelten, sanken erneut. Die Rendite der deutschen zehnjährigen Bundesanleihe sank auf 1,41 Prozent, eine ähnliche Entwicklung zeigten schwedische, niederländische, österreichische und französische Papiere.
Nach anfänglichen Gewinnen um gut 1 US-Cent drehte der Euro bereits am Vormittag ins Minus und sank auf 1,25 Dollar. Die Aktienmärkte verloren einen Gutteil ihrer am Morgen erzielten Gewinne. Der DAX , der zeitweise um 1,4 Prozent zugelegt hatte, stand zum Handelsschluss nur noch 0,3 Prozent im Plus bei 6248 Punkten, zeitweise rutschte er in den roten Bereich. Der spanische Ibex-35 und der italienische MIB-30 verloren beide rund 3 Prozent. Besonders hart erwischte es die Aktie der spanischen Bankia , die zeitweise um sieben Prozent auf ein Allzeittief von 0,86 Euro nachgab.
Analysten bewerteten den Wahlausgang in Griechenland grundsätzlich positiv, warnten aber vor zu viel Optimismus. "Dass zwei Parteien, die zu den Sparmaßnahmen stehen, zusammen eine Mehrheit im Parlament haben, ist ein sehr gutes Ergebnis", sagte Daisuke Karakama, Marktökonom bei Mizuho Corporate Bank in Tokio. Gleichwohl gebe es noch viele Unbekannte im Ausblick für Europa, sagte Robert Rennie, Chef-Währungsstratege bei Westpac Banking in Sydney. "Ich glaube nicht, dass sich diese Fragezeichen wirklich geändert haben."
Nach Einschätzung von Viola Julien, Analystin der Bank von Helaba, bleiben die strukturellen und konjunkturellen Probleme der übrigen Peripherieländer bestehen: "Eine schnelle Lösung der europäischen Probleme ist nicht in Sicht, und der EU-Gipfel Ende Juni wird vermutlich noch nicht die Wende in dieser Krise mit sich bringen." Dominic Schnider von der UBS sagte: "Ich denke nicht, dass wir eine lang anhaltende Rally sehen werden. Die Probleme sind nach wie vor da, es gibt noch immer große finanzielle Schwierigkeiten und das betrifft eben nicht nur Griechenland, sondern auch Spanien und andere." Heino Ruland von Ruland Research bezeichnete das Wahlergebnis sogar als "Worst-Case-Szenario", weil dadurch ein Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone nur hinausgezögert werde: "Langfristig wird der Euro zu einer Schwachwährung, weil es Transferzahlungen geben wird."
Bei der Parlamentswahl in Griechenland war die konservative Nea Dimokratia am Sonntag nach Auszählung fast aller Stimmen mit knapp 30 Prozent stärkte Kraft geworden. Zusammen mit der sozialistischen Pasok würde sie über eine Mehrheit im Parlament verfügen. Beide Parteien haben sich für die Beibehaltung des Sparkurses und einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ausgesprochen.
Für den Fall eines Wahlsiegs der Reformgegner waren schwere Verwerfungen an den Finanzmärkten befürchtet worden. Von Tokio bis London hielten sich die Zentralbanken bereit, um bei Bedarf Geld in den Markt zu pumpen und Turbulenzen abzufedern. Als Notfallmaßnahme wurde zudem darüber nachgedacht, die Summe der Abhebungen an Geldautomaten zu beschränken, Grenzkontrollen einzurichten und den Kapitalverkehr in der Euro-Zone zu kontrollieren.
(Mit Agenturen)