Sollte Trichet seinen Worten Taten folgen lassen, ginge er ein beträchtliches Risiko ein. Denn hoch verschuldete Staaten wie Griechenland, Irland oder Portugal ächzen schon jetzt unter hohen Refinanzierungskosten. Eine Leitzinserhöhung dürfte den Schuldendienst für diese Länder noch teurer machen. Schon allein deshalb hatten viele Analysten erwartet, dass die EZB vorerst stillhalten werde - wenigstens bis zum EU-Gipfel Ende März. Bei diesem Treffen wollen die EU-Staats- und Regierungschefs über eine Ausbesserung des Euro-Rettungsschirms beraten.
Doch der Auftrag der Währungshüter ist eindeutig: Sie müssen die Preise stabil halten. Angesichts einer Inflationsrate von zuletzt 2,4 Prozent in der Euro-Zone sowie weltweit steigender Kosten für Öl und Lebensmittel erscheint eine Leitzinserhöhung als logischer Schritt. Zumal die hohen Lebenshaltungskosten gerade auch den Einwohnern der Krisenstaaten das Leben schwer machen, deren Durchschnittseinkommen wegen der Sparbemühungen der Regierungen sinkt.
Gleichzeitig bleibt Trichet, der in Finanzkrise mehrfach von der reinen Lehre abgewichen ist, pragmatisch. Der EZB-Rat verlängerte nämlich die Rundumversorgung für die Geschäftsbanken. Mindestens bis Juni bekommen sie von der Zentralbank soviel Geld, wie sie haben wollen: Anstelle der vor der Krise üblichen Auktionen wird die EZB die Kredite weiterhin zu einem festen Zinssatz zuteilen, auch wenn dieser im April etwas steigen dürfte. Davon profitieren vor allem die Kreditinstitute in den Peripherie-Staaten. Auch der umstrittene Aufkauf von Staatsanleihen notleidender Euro-Länder wird fortgesetzt.