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Merken   Drucken   11.05.2012, 12:38 Schriftgröße: AAA

Fehlspekulationen: JP Morgan verzockt 2 Mrd. Dollar

Skandal beim Musterschüler JP Morgan: Die größte Bank der USA hat sich kräftig verspekuliert - und verliert dabei Milliarden. Die Aktie stürzt ab und reißt weitere Bankentitel mit sich. Und das Schlimmste steht erst noch bevor.
© Bild: 2012 DPA/ Bildfunk/ Justin Lane
Skandal beim Musterschüler JP Morgan: Die größte Bank der USA hat sich kräftig verspekuliert - und verliert dabei Milliarden. Die Aktie stürzt ab und reißt weitere Bankentitel mit sich. Und das Schlimmste steht erst noch bevor.

Die größte US-Bank JP Morgan hat sich mit einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie verzockt und 2 Mrd. Dollar in den Sand gesetzt. Seit Ende März habe es "signifikante Buchverluste" mit Kreditprodukten gegeben, teilte das Institut am Donnerstagabend der Börsenaufsicht mit. Verantwortlich war ausgerechnet das für die Risikosteuerung zuständige Chief Investment Office.

Anders als der Konkurrent Goldman Sachs, der immer wieder wegen seiner riskanten Geschäfte in der Kritik steht, galt JP Morgan Chase bisher als positives Gegenbeispiel. Dass nun selbst dieser Musterschüler Milliarden verspielt hat, dürfte Kritikern Auftrieb geben, die eine härtere Regulierung der Finanzbranche fordern.

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Bankenchef Jamie Dimon sah sich gezwungen, sich persönlich an Anleger und Analysten zu wenden. In einer eilends einberufenen Telefonkonferenz mit Aktienspezialisten erklärte Dimon, das Desaster sei selbstverschuldet.

Der Bankenchef sprach von "ungeheuerlichen Fehlern". Die Prinzipien seines Hauses seien verletzt worden. Die Sparte Corporate und Private Equity werde im zweiten Quartal daher wohl einen Verlust von 800 Mio. Dollar ausweisen. Dimon gestand: "Das ist nicht die Art, wie wir unser Geschäft betreiben wollen."

Der Konzernchef fügte hinzu: "Es kann noch schlimmer werden." Denn die Finanzwetten laufen weiter. Die Bank will nicht überhastet aus den Geschäften aussteigen und damit noch größere Verluste riskieren. Das Desaster wird daher auch in den folgenden Quartalen Spuren in der Bilanz der nach Vermögenswerten größten US-Bank hinterlassen.

Risikomanagement ging nach hinten los

Die Verluste entstanden ausgerechnet bei dem Versuch, Risiken zu begrenzen. Laut "Wall Street Journal" hatte JP Morgan in den vergangenen Monaten auf eine anhaltende wirtschaftliche Erholung gesetzt. Dazu schloss das Institut Wetten auf die Wertentwicklung von Unternehmensanleihen ab, unter anderem durch den Verkauf von Kreditausfallderivaten (CDS). CDS werden fällig, wenn ein Unternehmen seine Anleihen nicht mehr bedienen kann - JP Morgan verpflichtete sich mit dem Verkauf der Produkte also zu einer Versicherungsleistung bei Zahlungsausfällen bestimmter Firmen.

Ab April versuchte die Bank nach Informationen des "Wall Street Journal", die aus diesem Engagement entstehenden Risiken zu begrenzen. Ausgerechnet dabei seien die Verluste entstanden, schreibt die Zeitung ohne Angabe von Einzelheiten. Laut einem früheren Bericht des Blatts wetteten einige Hedge-Fonds und andere Großinvestoren gezielt gegen JP Morgan. Die Strategie des Geldhauses sei "fehlerhaft, kompliziert, schlecht durchdacht, schlecht ausgeführt und schlecht überwacht" gewesen, sagte Dimon.

Die Fehler sind umso peinlicher angesichts der Tatsache, dass sich das Management stets gegen eine strengere Regulierung der Banken im Rahmen der sogenannten "Volcker Rule" ausgesprochen hat, wie auch Dimon einräumen musste. "Das lässt uns ziemlich dumm dastehen." Die Volcker Rule ist eine nach dem ehemaligen US-Notenbank Paul Volcker benannte Regel, nach der die Banken den Handel auf eigene Rechnung aufgeben sollen.

Der Chef der HypoVereinsbank, Theodor Weimer, sieht in dem Fall gar "für das gesamte System eine Belastung". Wenn eine Bank, die bislang gut durch die zurückliegende Finanzkrise kam, nun auch "erwischt" werde, dann "tut das der Bankenszene insgesamt und der Reputation weh". Der ohnehin lädierte Ruf der Bankenbranche "macht so eine Situation nicht leichter, sondern eher schwieriger", räumte der Bankmanager ein. Der Chef der Deutschland-Tochter der italienischen Unicredit-Gruppe: "Das ist Öl ins Feuer derer, die die Banken enger an die Leine nehmen wollen."

Die JP-Morgan -Aktie verlor nachbörslich fast sieben Prozent und zog andere Bankentitel mit in den Keller. Die Anteilsscheine von Citigroup  tendierten im elektronischen Handel mehr als zwei Prozent schwächer, Papiere der Bank of America  gaben 1,7 Prozent nach. Die Nachricht dürfte am Freitag in den USA den gesamten Markt belasten.

Auch in Europa hinterließ die Zockerei Spuren: Der DAX  startete am Freitag mit einem ein Minus von 0,8 Prozent. Deutsche Bank -Aktien verbilligten sich um 1,7 Prozent, Commerzbank  gaben 1,2 Prozent ab. Der europäische Bankenindex fiel um 1,5 Prozent.

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  • Reuters, 11.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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