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Merken   Drucken   23.08.2012, 19:09 Schriftgröße: AAA

Gegen Konjunkturschwäche: China pumpt Milliarden in den Bankensektor

Durch die Hintertür führen die Währungshüter der Volksrepublik China den Instituten mehr Geld zu. Damit wollen sie die Kreditvergabe ankurbeln. Offenbar plagen die Notenbank Inflationssorgen.
von Claudia Wanner, Hongkong

Chinas Zentralbank schießt den Banken des Landes durch die Hintertür mehr Geld zu, um der befürchteten Konjunkturschwäche entgegenzuwirken. Binnen einer Woche hat die Notenbank 278 Mrd. Yuan (35 Mrd. Euro) in den Sektor gepumpt - die größte Finanzspritze seit Jahresanfang. Händler und Analysten werteten diesen Schritt als Ersatz für eine weitere Lockerung der Mindestreserveanforderungen für die Institute.

Über beide Wege steht den Banken im Ergebnis mehr Liquidität zur Verfügung. Die nun gewählte Lösung ist aber flexibler und zugleich passgenauer als eine Änderung der Mindestreserveanforderungen. Diese waren bereits mehrfach gelockert worden. Auch den Leitzins hat die chinesische Zentralbank bereits zweimal in diesem Jahr gesenkt.

Die China Construction Bank in Shanghai   Die China Construction Bank in Shanghai

Die Regierung des Landes hat der langjährigen globalen Wachstumslokomotive China für dieses Jahr ein verhalteneres Wirtschaftswachstum verordnet. Nach den Boomjahren mit zweistelligen Wachstumsraten gelten 2012 nur noch 7,5 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt als Ziel. Doch die Folgen der Euro-Schuldenkrise, die unsicheren Aussichten in den USA und viele eigene Probleme lassen auch diese Vorgabe wackeln. Im zweiten Quartal schaffte Chinas Wirtschaft nur ein Plus von 7,6 Prozent. Peking stemmt sich nun gegen eine zu starke Abkühlung der Konjunktur.

Die Probleme ziehen sich durch alle Bereiche: Das Exportwachstum schwächelt angesichts der fehlenden Kauflaune in Übersee, Chinas Firmen und Banken werden vorsichtig. Im Juli waren nur 540 Mrd. Yuan für neue Kredite ausgegeben worden, der schwächste Wert seit einem Jahr. Am Donnerstag schockierte zusätzlich ein schwacher Industrieeinkaufsmanagerindex die Beobachter. Der vorläufige Wert des von der Bank HSBC  erstellten Barometers lag für August bei 47,8 Punkten, nach 49,3 Zählern im Juli. Ein Wert unter 50 bedeutet eine schrumpfende Produktion.

Auch in den Bilanzen der Banken beginnen sich die Schwierigkeiten zu spiegeln. Die Bank of China, die am Donnerstag als erstes der großen vier Häuser des Landes Zahlen vorlegte, schaffte im abgelaufenen zweiten Quartal noch ein Gewinnplus von 5,1 Prozent auf 34,8 Mrd. Yuan. Das war der kleinste Sprung seit drei Jahren. In den vergangenen Quartalen hatten die Banken regelmäßig zweistellige Gewinnzuwächse gemeldet. Immerhin: Der Anteil fauler Kredite ist weiter leicht rückläufig, wobei einige Experten an den offiziellen Daten aus der Volksrepublik zweifeln.

Für die übrigen drei Großbanken, Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Agricultural Bank of China und Bank of Communications, die bis zum 30. August Halbjahreszahlen vorlegen, rechnen Analysten mit einem ähnlichen Ergebnismuster. Die Zahlen dürften für eine Weile "die letzten soliden Ergebnisse" sein, der Weg voraus sei holprig, sagte Deutsche-Bank-Analystin Tracy Yu der Nachrichtenagentur Reuters.

Wenigstens die Kreditvergabe will die Zentralbank mit ihrer jüngsten Finanzspritze wieder ankurbeln. Beobachter erklärten den für die Notenbank ungewöhnlichen Schritt mit Inflationssorgen. Die Immobilienpreise hatten nach acht rückläufigen Monaten zuletzt wieder angezogen. Zudem lasse sich dieses Instrument besser auf einzelne Banken zuschneiden als eine Reduzierung der Mindestreservequote. Bis Jahresende rechnen viele Experten aber auch bei der Mindestreserve mit einer Senkung der Anforderungen um bis zu einen Prozentpunkt.

  • Aus der FTD vom 24.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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