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Merken   Drucken   17.06.2011, 14:33 Schriftgröße: AAA

Kreditversicherungen: Finanzmarkt gibt Griechenland auf

Die Kosten zur Absicherung von Staatsanleihen der Hellenen übersteigen zeitweise deren Nennwert. Experten fordern eine "richtige" Pleite des Landes, so dass die Kreditversicherungen ausgelöst werden. Das will die EZB verhindern.
© Bild: 2011 AFP/LOUISA GOULIAMAKI
Die Kosten zur Absicherung von Staatsanleihen der Hellenen übersteigen zeitweise deren Nennwert. Experten fordern eine "richtige" Pleite des Landes, so dass die Kreditversicherungen ausgelöst werden. Das will die EZB verhindern.
Während Politiker und Notenbanker noch nach Rettungsmöglichkeiten für Griechenland suchen, haben die Finanzmärkte das Land weitgehend aufgegeben. Die Kreditabsicherungskosten für fünfjährige griechische Anleihen sind bis auf 2025 Basispunkte (BP) angestiegen. Das bedeutet, dass für die Absicherung gegen den Ausfall eines 10 Mio. Euro schweren Pakets von fünfjährigen Staatsanleihen jährlich 2,025 Mio Euro fällig sind. Wenn man diesen Wert auf eine neue fünfjährige Laufzeit hochrechnet, sind die Absicherungskosten höher als der Nennwert der besicherten Anleihe. Die implizierte Wahrscheinlichkeit einer Staatspleite liegt bei mehr als 80 Prozent.
Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG   Josef Ackermann, Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank AG
Nach Berichten über eine mögliche Annäherung zwischen den Helferstaaten Frankreich und Deutschland über neues Geld für Griechenland gingen die Credit Default Swaps (CDS) wieder bis 1975 BP zurück. Die Risikoaufschläge (Spreads) für zehnjährige griechische Staatsanleihen im Vergleich zu den entsprechenden Bundespapieren gingen vom Rekordwert 15,96 Prozent auf 15,2 Prozent zurück.
Es sei unwahrscheinlich, dass sich die Lage für den hoch verschuldeten Mittelmeer-Anrainer bald entspannen werde, sagte Analyst Gavan Nolan vom Datenanbieter Markit. "Es ist entscheidend für Griechenland, die politische Stabilität wiederherzustellen, wenn es die nächste Tranche an IWF-Hilfen erhalten will."
Wer treibt die Griechen in die Pleite?

 

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Das erklärte Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) ist es, die griechische Staatsschuldenkrise zu lösen, ohne dass eine Umschuldung als sogenanntes Kreditereignis gewertet wird. Tritt ein Kreditereignis ein, dann haben die Käufer von CDS Anspruch auf Kompensation durch die Verkäufer der Kreditausfall-Swaps.
Unterstützung von Ackermann Einige Bankchefs wie Josef Ackermann  unterstützen diese Haltung. Griechenland sollte seinen Worten nach "auf keinen Fall einen Zahlungsausfall" erleben. Notfalls müsse die Europäische Union weitere Hilfen zur Verfügung stellen, sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank  in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. "Wir müssen ihnen helfen", sagte Ackermann. "Wenn sie weitere Gelder benötigen, müssen wir sie zur Verfügung stellen."
Von anderer Seite wird inzwischen jedoch Kritik laut. Nach Einschätzung von Analysten bei JPMorgan Chase und Bank of America Merrill Lynch entstünde dem Markt durch eine Umschuldung, die keine Swaps auslöst, ein viel größerer Schaden. Denn in diesem Fall säßen die Banken auf nicht abgesicherten Positionen und wären gezwungen, Anleihen zu verkaufen. Das würde die Finanzierungskosten der Staaten zwangsläufig in die Höhe treiben.
"Die EZB hat Angst davor, einen kolossalen Fehler einzugestehen. Den hat sie nämlich begangen, als sie erklärte, es sei ausgeschlossen, dass in der Euro-Zone ein Staat zahlungsunfähig werden kann", urteilte Georg Grodzki, Leiter Kredit-Analyse bei Legal & General Investment Management in London. "Die EZB will ihre Bilanz und ihr Ansehen schützen."

Nackte Banken

  • FTD.de, 17.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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