Portfolio:Jagd auf den falschen Börsendoktor ist zu Ende
Der angebliche Betreiber einer Luxenburger Vermögensverwaltung mischte im Jahr 2006 die Finanzwelt auf. Unter dem Pseudonym "Dr Claus Goniva" sorgte er für Unruhe bei dem Flugzeugmotorenhersteller Thielert - nun ist er enttarnt. von Renate Daum
Wie ein Phantom schwirrte "Dr. Claus Goniva" 2006 durch die Finanzwelt und sorgte mächtig für Unruhe. Dem Flugzeugmotorenhersteller Thielert aus Hamburg warf er vor, bei den Bilanzen getrickst zu haben. Hilflos versuchte sich das Unternehmen zu wehren. Doch keiner kannte den angeblichen Betreiber einer Vermögensverwaltung aus Luxemburg persönlich. Damals beschrieb ihn die FTD als Person "ohne Gesicht" mit "Kunstnamen".
Das Landgericht München
Nun hat er die Maske abgenommen: Der Börsenbriefherausgeber Tobias Bosler räumte am Mittwoch vor dem Landgericht München I ein, er sei Dr. Claus Goniva gewesen. "Was Dr. Goniva behauptet hat, ist alles wahr gewesen", betonte er. Eineinhalb Jahre harte Arbeit habe er in die Recherchen gesteckt. Mit etwas Stolz in der Stimme berichtete er, dass ihm die FTD damals "einen halbseitigen Bericht" gewidmet habe.
Der damalige Thielert-Chef Frank Thielert (Archivbild)
Bei den Thielert-Bilanzen hat die Hamburger Staatsanwaltschaft mittlerweile immerhin ähnliche Schlüsse gezogen wie er. Sie hat Anklage gegen den damaligen Thielert-Chef Frank Thielert sowie ein weiteres Vorstandsmitglied erhoben. Ihr Verteidiger weist die Vorwürfe allerdings zurück.
Selbst wenn sich Boslers Vorwürfe als wahr herausstellen, nützt ihm das in seinem eigenen Prozess wenig: Die Münchner Ermittler werfen ihm bei einer ganzen Reihe von Aktien Marktmanipulation, Insiderhandel oder Betrug vor. Immerhin bei einem Punkt hat er nichts mehr zu befürchten. Dr. Claus Goniva sei nicht zum Führen eines Doktortitels berechtigt gewesen, trugen die Staatsanwälte zwar in ihrer Anklageschrift zwar vor. Das aber ist mittlerweile verjährt.
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