Für die Besitzer von Unternehmensanleihen war das erste Quartal des Jahres ein wahres Freudenfest. Die festverzinslichen Papiere legten an der Börse eine mustergültige Kursrally hin, manche kletterten binnen weniger Wochen um deutlich mehr als zehn Prozent. Befeuert wurde dies von viel frischem Geld. Allein im Februar flossen Unternehmensanleihefonds in Deutschland rund 2,3 Mrd. Euro zu, zeigen Zahlen des Branchenverbands BVI.
Da sich die Aktienmärkte anfällig zeigen, Staatsanleihen mit guter Bonität nur noch Renditen abwerfen, die nicht einmal mehr die Inflation ausgleichen, erscheinen Unternehmensanleihen vielen Investoren als attraktiv. Nicht ohne Grund, denn viele Anleiheemittenten stehen gut da. So haben die Unternehmen die vergangenen Jahre genutzt, um ihre Bilanzen aufzupolieren, Schulden abzubauen und hohe Barbestände anzuhäufen, was sie als Schuldner attraktiver macht. Hinzu kommt: Weil viele Firmen luxuriös mit Kapital ausgestattet sind, dürfte das Angebot an Anleihen mit guter Bonität knapp bleiben, was die Risikoprämien weiter sinken lassen könnte.
Von dieser Situation haben zuletzt auch Unternehmensanleihefonds profitiert. Im Schnitt legten sie seit Anfang Januar um fast sechs Prozent zu, belegen Zahlen der Fondsratingagentur Morningstar. Einige Portfoliomanager konnten das Vermögen ihrer Kunden seit Anfang Januar sogar um mehr als zehn Prozent vermehren. Damit setzen die Produkte ihre gute Performance fort: In den vergangenen drei Jahren legten sie im Durchschnitt um mehr als neun Prozent pro Jahr zu. Einige erzielten sogar ein durchschnittliches Jahresplus im zweistelligen Prozentbereich.
Doch obwohl aktuell vieles für Unternehmensanleihefonds spricht, ist nicht ausgemacht, dass sich die Produkte in den kommenden Monaten weiter so positiv entwickeln werden. Denn die Arbeit der Portfoliomanager ist zuletzt deutlich schwieriger geworden. So schwanken zum Beispiel die Kurse der Papiere stärker als üblich. Und die Auswahl der Einzeltitel wird immer wichtiger. "Wir erwarten größere Unterschiede in der Performance einzelner Sektoren", sagt Markus Wiedemann, Fondsmanager bei DWS.
Unter den Anleihen mit Toprating sind im Moment Papiere von Industrieunternehmen gefragt. "Wir bevorzugen hier global agierende Konzerne, die nicht zu sehr von ihrem Heimatmarkt abhängig sind", sagt Tom Mondelaers, Fondsmanager bei Blackrock. Dazu zählten zum Beispiel die Anleihen des Autoherstellers BMW. Für interessant hält Mondelaers auch Papiere von Versicherungsunternehmen, bei denen das Risiko deutlich besser einzuschätzen sei als bei Anleihen von Banken.
Risiken drohen derweil von anderer Seite: Wegen der gesunkenen Renditen bei Unternehmensanleihen mit Investmentgrade-Status konzentrieren sich viele Fondsmanager jetzt verstärkt auf Papiere, die kein Toprating besitzen und entsprechend höhere Renditen bieten. "Euro-Hochzinspapiere haben momentan eine Rendite von über neun Prozent, obwohl ihre Kurse langfristig deutlich geringer schwanken als die von Aktien", sagt Alexandre Caminade, Fondsmanager bei Allianz Global Investors. Gleichzeitig profitieren Investoren davon, wenn Unternehmen in der zurückliegenden Krise beweisen mussten, wie sie mit Problemen fertig werden. "Wir können inzwischen die Firmen identifizieren, die unbeschadet bleiben würden, wenn sich das wirtschaftliche Umfeld verschlechtern sollte", sagt Caminade.
Denn die Hauptsorge der Portfoliomanager bleibt die Konjunktur. Das mäßige Wachstum der europäischen Volkswirtschaften sei in den Preisen zwar schon enthalten, meint DWS-Fondsmanager Wiedemann. Allerdings könnte das Wirtschaftswachstum einbrechen, wenn sich die europäische Staatsschuldenkrise wieder verschärft - mit entsprechend negativen Folgen für die Unternehmensgewinne und den Kursverlauf der Anleihen, warnt Wiedemann. "Dieses Szenario ist nach wie vor das größte Risiko für die Märkte."