Ranking von Aktionärsschützern:Wenn Aktionärs-Albträume wahr werden
Die DSW stellt jährlich eine Liste der größten Kapitalvernichter zusammen. Sie untersucht die Performance der Aktien und rechnet Gewinn und Verlust in Punkte um. FTD.de analysiert die Top Ten des Rankings.
von Barbara Schäder und Daniela Leistikow
Unternehmen wälzen es gerne auf äußere Umstände ab, wenn das Kapital ihrer Anleger pulverisiert wird. Mit dem Finger auf andere zu zeigen, reicht als Erklärung für die schlechte Performance einer Aktie selten aus. "Diese schwarzen Schafe haben nicht nur unter den Belastungen von außen zu leiden. Vielmehr treffen die Manager dieser Firmen offensichtlich häufiger die falschen Entscheidungen", sagte Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).
Die DSW bringt jährlich eine Liste mit den von ihr ermitttelten 50 größten Kapitalvernichtern heraus. Sie ist jedoch keine Momentaufnahme. Die Berechnungen laufen über einen Zeitraum von fünf Jahren und erfassen börsennotierte deutsche Aktiengesellschaften im Qualitätssegment Prime Standard. Insgesamt wurde die reine Kursperformance der Aktien von 285 Unternehmen analysiert. Dividenden und andere Sonderzahlungen werden nicht mit einbezogen. Die Kurse der Firmen werden innerhalb von drei Zeiträumen bewertet: Über ein Jahr, über drei Jahre und über fünf Jahre - jeweils auf der Basis des Schlusskurses des letzte Handelstags im Jahr.
In der Punkteskala kann ein Unternehmen schlimmstenfalls ein Minus von 1000 Punkten erzielen. Für die schlechteste Platzierung im Einjahresvergleich werden maximal 200 Negativpunkte vergeben. Wer in den letzten drei Jahren insgesamt am schlechtesten abgeschnitten hat, kann bis zu 300 Maluspunkte bekommen. Wurde in den letzten fünf Jahren schlecht performed, drohen maximal 500 Punkte.
Einige der langjährigen Topplatzierten der Vergangenheit sind heute Penny-Stocks oder existieren nur noch auf dem Papier.
Dessous hängen in Berlin in einem Beate-Uhse-Shop in einer Vitrine
Beate Uhse: - 759 Punkte
Das Erotikunternehmen ging 1999 mit großem medialen Echo an die Börse. Geblieben ist von der Freude nach mehr als einer Dekade nicht mehr viel. Die Aktie dümpelt im Cent-Bereich vor sich hin. Anfang 2010 lag der Kurs bei 63 Cent, heute ist das Papier mit 32 Cent noch knapp die Hälfte wert. Zum Börsengang notierte sie um 28 Euro.
Nach Kursverlusten von 91 Prozent über die vergangenen fünf Jahre sank der Wert der Aktie im vergangen Jahr zwar lediglich um 29 Prozent. In den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres musste der Konzern allerdings einen operativen Verlust von 8,1 Mio. Euro vor Steuern und Zinsen hinnehmen.
Beate Uhse wurde 1946 gegründet und war das erste Unternehmen, das Erotik vermarktet hat. Die Aktie des Konzerns war das erste Erotik-Wertpapier Europas.
Der Telekommunikations-Dienstleister fuhr in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres einen operativen Verlust von 4,1 Mio. Euro ein. Der Kurs fiel laut DSW 2010 um 35 Prozent. Auf der Liste der größten Kapitalvernichter rückte Teles deshalb um drei Ränge auf Platz neun vor. Der Aktienkurs dümpelt seit Monaten bei rund 55 Cent vor sich hin, vor fünf Jahren kosteten die Papiere zwischen 8 und 10 Euro.
Seither geht es mit dem Unternehmen, das unter anderem Sprachdienste über das Internet wie Voice over IP anbietet, abwärts. Gegründet wurde Teles 1983 von dem Berliner Informatikprofessor Sigram Schindler, der die Firma bis heute als Vorstandschef führt. Seit 1998 ist Teles börsennotiert, musste sich aber schon ein Jahr später wegen der Krise des Neuen Marktes komplett neu ausrichten. Einer größeren Öffentlichkeit wurde Teles unter anderem durch den Erwerb des Webhosters Strato im Jahr 1996 bekannt, der 2004 wieder verkauft wurde.
Die Aktie des Finanzdienstleisters verlor laut DSW innerhalb der vergangen fünf Jahre 94 Prozent. Im Jahresvergleich lief es besser, so dass sich MPC in der Watchlist von Platz 5 auf Platz 8 verbessert hat. Für die ersten drei Quartale 2010 konnte MPC ein positives operatives Ergebnis von rund 5 Mio. Euro vorweisen. Vor fünf Jahren war eine MPC-Aktie noch 57,88 Euro wert. Heute notiert sie bei 4,26 Euro. Das ist eine leichte Verbesserung gegenüber dem Tiefststand von 3,01 Euro Ende Mai 2010.
Die MPC Capital AG wurde 1994 gegründet. Sie entwickelt, initiiert und vertreibt sachwertbasierte alternative Kapitalanlagen. Zusätzlich betreut MPC diese als Fondsmanager. MPC ist nach eigenen Angaben das größte börsennotierte Emissionshaus für geschlossene Fonds. Das Unternehmen sieht sich als Innovationsführer und hat den Anspruch, den Markt hinsichtlich Produkten, Prozessen und Service aktiv zu gestalten. Verärgerte Anleger könnten diese Einschätzung als provokant empfinden.
Der Pflegeheim-Betreiber erwirtschaftete im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von 241 Mio. Euro einen Gewinn von 600.000 Euro Gewinn. Das bescheidene Plus kam zudem nur durch Sondereffekte wie den Verkauf der Reha-Sparte zustande. Die betriebliche Tätigkeit allein hätte dem Unternehmen den Angaben zufolge einen Verlust von fast 16 Mio. Euro beschert. Allein 2010 stürzte der Aktienkurs laut DSW um 47 Prozent ab, was die Firma von Platz 28 auf der Liste der größten Kapitalvernichter auf Platz sieben katapultierte.
Die Marseille-Kliniken kriseln seit Jahren, die Aktien sind derzeit mit 2,40 Euro nur noch ein Siebtel so viel wert wie im Sommer 2007. Auf der Hauptversammlung Mitte Januar schob der Firmengründer und derzeitige Chef Ulrich Marseille die Verantwortung für das Debakel auf den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Axel Hölzer. Marseille musste sich daraufhin allerdings den Vorwurf gefallen lassen, er hätte als damaliger Aufsichtsratschef früher eingreifen müssen.
Die Marseille-Kliniken betreiben bundesweit 58 Pflegeeinrichtungen und drei Wohnanlagen für Betreutes Wohnen. Das 1984 gegründete Unternehmen beschäftigt mehr als 4600 Mitarbeiter.
Der Schriftzug des Unternehmens Conergy und dessen Firmenlogo sind an einer Aussenwand des Werkes
Conergy: - 831 Punkte
Der Konzern ist eins von drei Solarunternehmen in den Flop Ten der größten Kapitalvernichter. Sowohl in den letzten fünf, als auch in den letzten drei Jahren verschlechterte sich die Aktie um rund 94 Prozent. Im September 2007 war sie 23,03 Euro wert. Heute notiert sie bei 31 Cent.
Trotzdem hat Conergy im vergangenen Jahr vom Branchenboom profitiert. Außerplanmäßige Abschreibungen sorgten zwar für einen hohen Nettoverlust. Der Umsatz schnellte 2010 aber um über 50 Prozent auf 913,5 Mio. Euro hoch, teilte der Hamburger Konzern mit. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verbuchte Conergy nach eigenen Angaben mit 30,1 Mio. Euro erstmals seit vier Jahren wieder einen Gewinn.
Die Aktie des schwer angeschlagenen Holzverarbeiters verlor im letzten Jahr über 60 Prozent. In den fünf Jahren davor waren es insgesamt sogar 84 Prozent. Im Februar 2007 erreichte die Aktie einen Wert von 25,61 Euro. Am 1. Januar 2010 notierte sie bei 6,52 Euro - und heute bei 1,48 Euro.
Pfleiderer ist mit Schulden von über 1 Mrd. Euro derzeit der größte Restrukturierungsfall in Deutschland.
Das Unternehmen hat sich mit einer auf Pump finanzierten Einkaufstour im Ausland überhoben. Die kommt den Konzern, der 5400 Mitarbeiter beschäftigt, nun teuer zu stehen. In Märkten wie Nordamerika und Osteuropa ist das Baugeschäft eingebrochen. Im Februar schockte Pfleiderer mit der Meldung, dass der Verlust des Jahres 2010 mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt habe. Finanzkreisen zufolge betrug das Minus 300 Mio. Euro in der AG bei 1,5 Mrd. Euro Konzernumsatz.
Die Zeit für eine Lösung wird knapp: Ende März läuft ein Stillhalteabkommen mit den Gläubigern aus, nach dem Pfleiderer derzeit keine Zinsen und Tilgungen zu zahlen braucht. Problem dabei: Zahlreiche hochspekulative Hedge-Fonds kauften den Banken einen großen Teil der Pfleiderer-Kredite ab. Sie könnten dadurch die Mehrheit an dem Konzern erhalten. Die Fonds legen es darauf an, die Verbindlichkeiten in Eigenkapital zu tauschen, um Pfleiderer später weiterverkaufen zu können.
Ein Techniker der Firma Colexon Energy überprüft die Solarmodule
Colexon Energy: - 845 Punkte
"Der Name Colexon steht für langjährige Erfahrung und innovative Technologien. Das Resultat: Zufriedene Kunden und hohe Renditen." Angesichts der Entwicklung der Aktie dürfte diese Werbebotschaft auf der Firmenwebsite Anleger zu Recht zum Toben bringen: Im Januar 2006 konnten sich die Aktionäre noch freuen, weil das Wertpapier der Firma bei 25,20 Euro notierte. Heute liegt die Aktie bei 1,46 Euro.
Colexon ist einer der führenden Projektentwickler und Betreiber von Solarkraftwerken. Das Hamburger Unternehmen war ehemals als Reinecke & Pohl bekannt.
Trotz eines Jahresumsatzes von 1,3 Mrd. Euro, mit dem das Solarunternehmen zu einem der größten der Branche weltweit gehört, mussten die Aktionäre der AG herbe Verluste hinnehmen. Ende 2007 notierten die Papiere des einstigen DAX-Anwärters bei über 80 Euro. Heute bringt die Aktie 2,75 Euro.
Nach einem Verlust von fast 1,4 Mrd. Euro 2009 schreibt Q-Cells nach vorläufigen Zahlen 2010 wieder Gewinne. Dank eines erfolgreichen Umbaus des Geschäfts verdiente das Solarunternehmen unter dem Strich 18,9 Mio. Euro. Der Umsatz stieg im Gesamtjahr um mehr als 70 Prozent auf die Rekordmarke von 1,35 Mrd. Euro. Vor Steuern und Zinsen wurde ein Ergebnis von 82,3 Mio. Euro erzielt. Vor einem Jahr hatte an dieser Stelle noch ein Minus von 486 Mio. Euro gestanden. Einen klaren Ausblick für die Anleger ist allerdings erst Ende März auf der Bilanzpressekonferenz zu erwarten.
Die Webseite des Untermehmens "Coprorate Equity Partners"
Corporate Equity Partners: - 936 Punkte
Platz zwei belegt ein Unternehmen, das regelmäßig in Spitzenpositonen der DSW-Watchlist auftaucht. Die Papiere des in der Schweiz beheimateten Unternehmens Corporate Equity Partners (CEP) sind aktuell 20 Cent wert. Im August 2006 waren es 109 Euro gewesen.
Der Konzern CEP hieß früher "Fantastic AG" und ist laut Firmenangaben Europas erster börsennotierter Private-Equity-Spezialist. 2008 und 2010 führte CEP die Liste der größten Kapitalvernichter sogar an.
Die negativste Performance hat der Berliner Solarspezialist Solon. Die 1997 gegründete Firma gehört zu den Vorreitern in der deutschen Solarbranche. Der Ruhm vergangener Tage brachte den Aktionären, deren Kapital das Unternehmen in den vergangenen Jahren fast komplett aufgezehrt hat, herzlich wenig. 91 Prozent des Kapitals wurden vernichtet.
In den letzen drei Jahren hat die Aktie fast 97 Prozent eingebüßt. Nach einem Höchststand im November 2007 von 86,94 Euro ist das Papier heute 3,14 Euro wert.
Insgesamt läuft es bei den Solarwerten schlecht. Unter den Top 50 der Watchlist finden sich ein halbes Dutzend Firmen aus der Solarindustrie.
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