Der Technologiekonzern überschattet mit seiner Gewichtung den gesamten S&P 500. Analysten kennen nur ein Mittel: Sie streichen Apple aus den Berechnungen. von Kim Bode
Dass Äpfel nicht mit Birnen zu vergleichen sind, ist ja hinlänglich bekannt. Dass aber der US-Technikkonzern Apple nicht mehr mit anderen Unternehmen verglichen wird, ist neu. Zahlreiche Analysten an der Wall Street haben sich entschieden, den iPhone-Hersteller aus ihrer Betrachtung der Ergebnisse der 500 größten börsennotierten US-Unternehmen auszuklammern. So hat der Chef-Aktienstratege der UBS in den USA, Jonathan Golub, vergangene Woche erstmals zusätzlich zur herkömmlichen Quartalsanalyse zur Geschäftsberichtssaison auch noch eine zweite Version veröffentlicht, die er "S&P 500 ex-Apple" - also der marktbreite S&P-500-Index ohne Apple - genannt hat.
Grund dafür ist die Kombination aus Apples enormer Unternehmensgröße und dem außergewöhnlichen Erfolg: Anfang dieser Woche durchbrach der Aktienkurs die 500-Dollar-Marke. Mit einer Marktkapitalisierung von damit mehr als 475 Mrd. Dollar ist Apple das derzeit größte Unternehmen in den Vereinigten Staaten. Dazu kommen die beeindruckenden Geschäftszahlen, die sogar die optimistischen Erwartungen übertrafen: ein Gewinnanstieg mit mehr als 13 Mrd. Dollar im Quartal zum Jahresende 2011 auf mehr als das Doppelte im Vorjahresvergleich und ein 73-prozentiger Umsatzsprung auf 46 Mrd. Dollar. Mit diesen Zahlen trieb Apple den durchschnittlichen Gewinnzuwachs der Unternehmen im S&P-500-Index laut der UBS für diese Geschäftsberichtssaison auf 6,6 Prozent - ohne Apple wären es dagegen lediglich 2,8 Prozent.
Apple-Aktie vs. Index, indexiert,
Das verzerre das Gesamtbild, fand UBS-Analyst Golub und entschied sich kurzerhand, Apple aus der allgemeinen Betrachtung auszuschließen: Apple sei ein sagenhaftes Unternehmen, keine Frage. "Aber es ist auch wichtig, sich ein Bild darüber zu machen, wie es den herkömmlichen Aktienkursen und Unternehmen geht", meint Golub. "Wenn man dieses eine Unternehmen über Bord wirft, ist das so, als würde man das Licht durch ein Prisma sehen: Man sieht klarer", sagte er dem "Wall Street Journal".
Damit hat der Analyst eine Debatte in der Branche losgetreten, die Aktienkursen einzelner Unternehmen selten zukommt. Andere Analysten sind dem Beispiel der UBS bereits gefolgt, darunter Morgan Stanley, Goldman Sachs, Barclays Capital und Wells Fargo. Mit Apples Sprung über die 500 Dollar hat die Diskussion nun noch einmal an Dynamik zugelegt. In der Branche wird wild gerechnet: Ist der Kurs zu hoch oder zu niedrig? Aufschluss soll ein Vergleich mit anderen Aktienkursen bringen. Derzeit wird Apple mit dem rund Zwölffachen des Umsatzes gehandelt und liegt damit weit unter dem Durchschnitt des S&P 500 Technologiesektors mit einem Multiplikator von 17,1, wie das Investmentportal Seeking Alpha errechnet hat.
"Apple ist in den vergangenen zehn Jahren sehr schnell gewachsen", sagt Howard Silverblatt, Indexanalyst bei Standard & Poor's (S&P). Zum Aufschwung des Index der 500 größten US-Unternehmen habe der Technikkonzern demnach in dem Zeitraum mehr als alle anderen beigetragen. Der Finanzdienstleister hat sich selbst bisher noch nicht dazu durchgerungen, einen S&P 500 ex-Apple herauszubringen.
Dabei wäre es auch nicht das erste Mal: Der Computerkonzern IBM sowie der Autohersteller General Motors wurden bei ihrem Zusammenschluss auch aus dem Durchschnitt herausgerechnet. Aber Apples enormer Vorsprung ist eben noch jung. "Wir schauen genau hin und beobachten, was die Märkte brauchen", sagt Silverblatt . "Außerdem sie ja eigentlich auch nicht für den S&P 499."
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