Inflation oder Deflation, Rezession oder Depression? Setzen staatliche Hilfspakete an der richtigen Stelle an, wie wirken sie sich auf Devisen und Börsen aus? Sollte man auf Gold, Renten oder Aktien setzen? Welche Sektoren und Firmen sind vielversprechend, welche Fusionen überflüssig? "Das Kapital", die führende Kolumne für Finanzmarktthemen, gibt pointierte Antworten.
Wenn die Anleger keine Blase aufpumpen, sind sie nicht glücklich. Vor wenigen Jahren haben sie den Finanzsektor derart hochgetrieben, dass dieser rund ein Drittel der Marktkapitalisierung in Europa ausmachte. Dass dieser Sektor in Deutschland gerade mal für fünf Prozent der Bruttowertschöpfung steht, war völlig egal. Im Vergleich zum Hoch im Sommer 2007 hat der Finanzsektor zwei Drittel eingebüßt und sollte damit ein ebenso warnendes Beispiel abgeben wie etwa die TMT-Sektoren, deren Kurse bloß noch einem Bruchteil der Werte entsprechen, die um die Jahrtausendwende zu beobachten waren.
Jetzt haben die Anleger einen neuen Lieblingssektor gefunden, der in Europa von einem Hoch zum nächsten marschiert, das gut 19-Fache des Gewinns sowie das 13-Fache des Cashflows der vergangenen vier Quartale kostet und mit dem 3,2-Fachen des Buchwerts notiert. Es handelt sich um den stabilen (unzyklischen) Konsum - Nahrungsmittel, Getränke, Tabak, Nahrungsmittelhandel, Drogerien, Körperpflege, Haushaltsgüter -, der nun für 15,6 Prozent des Marktwerts des MSCI Europa steht.
Reden wir nicht darüber, dass sich die realen Einzelhandelsumsätze in der EU auf dem Stand von Ende 2006 bewegen. Doch machten die privaten Konsumausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren 2011 gerade mal 7,7 Prozent des deutschen BIPs aus. Körperpflege und persönliche Gebrauchsgegenstände sind nicht mal gesondert aufgedröselt und werden zusammen mit Gesundheitspflege, Bildungswesen, Diensten sozialer Einrichtungen, Versicherungs- und Finanzdienstleistungen sowie sonstigen Dienstleistungen in die Kategorie "übrige Verwendungszwecke" gepackt, die insgesamt für 10,2 Prozent des BIPs steht.
Selbstredend setzen die Anleger auf die Schwellenländer. Europa füttert die Welt, schon klar, und zwar mit Waren, deren Preis zu einem guten Teil aus Gewinn und Werbung besteht. Nur laufen gleichzeitig die von Reallohnverfall, Arbeitslosigkeit, Überschuldung und Austerität geplagten Menschen in den Industrieländern angesichts der Preiswürdigkeit von Markenartikeln lieber zum Discounter. Wenn die Notenbanken auf Blasen aus sind, interessieren diese riesigen Märkte keinen. Nur wird auch diese Blase letztlich platzen, per Definition.