FTD.de » Finanzen » Aktien + Märkte » Marktberichte Aktien » Kenneth Rogoff - Steigt Gold auf 10.000 Dollar?
  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   11.10.2010, 11:00 Schriftgröße: AAA

Marktstimmung: Kenneth Rogoff - Steigt Gold auf 10.000 Dollar?

Es war noch nie leicht, ein rationales Gespräch über den Wert von Gold zu führen. In letzter Zeit allerdings ist dies schwieriger denn je, ist doch der Goldpreis im letzten Jahrzehnt um über 300 Prozent angestiegen.
© Bild: 2010 ftd.de
Es war noch nie leicht, ein rationales Gespräch über den Wert von Gold zu führen. In letzter Zeit allerdings ist dies schwieriger denn je, ist doch der Goldpreis im letzten Jahrzehnt um über 300 Prozent angestiegen. von Kenneth Rogoff 
Erst letzten Dezember verfassten meine Kollegen Martin Feldstein und Nouriel Roubini Kommentare, in denen sie mutig die vorherrschende optimistische Marktstimmung hinterfragten und sehr überlegt auf die Risiken des Goldes hinwiesen.
Und es kam, wie es kommen musste. Seit der Veröffentlichung ihrer Artikel ist der Goldpreis noch weiter gestiegen. Jüngst erreichte er sogar ein Rekordhoch von 1300 Dollar. Im letzten Dezember argumentierten die Goldbugs, dass der Preis zweifellos in Richtung 2000 Dollar gehen würde. Beflügelt aufgrund des anhaltenden Aufwärtstrends, meint man nun mancherorts, dass Gold sogar noch höher steigen könnte.
Ein erfolgreicher Gold-Investor erklärte mir vor kurzem, dass die Aktienkurse über ein Jahrzehnt dahingedümpelt waren, bevor der Dow Jones-Index in den frühen 1980er Jahren die Marke von 1000 Punkten überschritt. Seit damals ist er auf über 10.000 Punkte gestiegen. Nun hat Gold die magische Grenze von 1000 Dollar überschritten, warum sollte sich sein Wert daher nicht auch verzehnfachen?
Zugegeben: Es bedarf keiner großen Fantasie, um sich einen noch höheren Goldpreis vorzustellen. Denn inflationsbereinigt erreicht der Goldpreis von heute nicht annähernd das Allzeithoch von Januar 1980. Damals lag Gold bei 850 Dollar, also in heutigem Geldwert um einiges über 2000 Dollar. Allerdings gab es im Januar 1980 offensichtlich einen „Freak Peak“ in einer Zeit erhöhter geopolitischer Instabilität. Bei einem Wert von 1300 Dollar ist der heutige Preis wohl doppelt so hoch wie die sehr langfristigen, inflationsbereinigten Durchschnitts-Goldpreise. Was also könnte einen weiteren kolossalen Anstieg des Goldpreises von diesem Wert aus begründen?
Eine Möglichkeit wäre natürlich der totale Zusammenbruch des US-Dollars. Angesichts ausufernder Defizite und einer richtungslosen Fiskalpolitik fragt man sich, ob eine populistische Administration nicht doch leichtsinnigerweise die Gelddruckmaschine anwerfen würde. Und wer sich in dieser Hinsicht wirklich Sorgen macht, könnte in Gold tatsächlich die verlässlichste Absicherung finden.
FTD-Serie: Top-Ökonomen   FTD-Serie: Top-Ökonomen
Natürlich kann man einwenden, dass inflationsindexierte Anleihen eine bessere und direktere Absicherung seien, als Gold. Aber die Goldbugs machen sich zu Recht Sorgen, ob die Regierung ein derartiges Engagement unter extremeren Umständen würdigte. Wie Carmen Reinhart und ich in unserem jüngsten Buch über die Geschichte von Finanzkrisen Dieses Mal ist alles anders, zeigen, konvertieren Pleiteregierungen diese indexierten Anleihen oftmals zwangsweise in nicht indexierte, auf dass sich ihr Wert weginflationiere. Sogar in den Vereinigten Staaten wurden während der Großen Depression der 1930er Jahre die Indexklauseln aus Anleiheverträgen gestrichen. Das kann also überall passieren.
Aber selbst wenn eine sehr hohe Inflation möglich ist, heißt das noch lange nicht, dass sie auch wahrscheinlich ist. Man sollte daher mit der Argumentation vorsichtig sein, wonach höhere Goldpreise von Inflationserwartungen angetrieben seien. Mancherorts heißt es auch, der lange Aufwärtstrend des Goldes wäre teilweise durch die Entwicklung neuer Finanzinstrumente bedingt, die den Handel und die Spekulation mit Gold erleichterten.

Teil 2: Ein Körnchen Wahrheit

  • FTD.de, 11.10.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6339,94  [24.05 +0,38%
  Euro Stoxx 50 2161,87  [5.35 +0,25%
  Dow Jones 12434,51  [-95.24 -0,76%
  Nasdaq Composite 2832  [-7.38 -0,26%
  Euro 1,25106 USD  [-0.00243 -0,19%
  Brent-Öl 106,83 USD  [0.27 +0,25%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
  • Kursverluste, Ärger mit Behörden und der Nasdaq: Das Börsenparkett ist zu glatt für Facebook. Die Internetstars aus Kalifornien sehen am Aktienmarkt aus wie Anfänger. Damit es Ihnen nicht so geht: Testen Sie Ihr Börsenwissen.

    Bei einem Verlust von 30 Prozent - wie stark müsste der Aktienkurs steigen, damit Sie wieder beim Anfangsniveau angelangt sind?

    Börsen-Quiz: Machen Sie es besser als Facebook

    Alle Tests

  14.03. Quiz Kennen Sie sich aus im DAX?

Wer seit Jahresbeginn auf Aktien setzt, kann sich bislang über einen satten Gewinn freuen. Mischen Sie mit bei der Rally - im Quiz von FTD.de. Testen Sie ihr DAX-Wissen.

Seit wann gibt es den DAX?

Quiz: Kennen Sie sich aus im DAX?

Alle Tests

 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote