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Merken   Drucken   01.04.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Mitarbeiterbindung: Resignation greift im Arbeitsleben um sich

Das Engagement und die Motivation deutscher Arbeitnehmer sind niedrig. Nur etwa jeder Zehnte arbeitet mit vollem Einsatz für sein Unternehmen. Die große Mehrheit bringt sich eher nicht ein. von Sabine Meinert 
In einer Umfrage unter Arbeitnehmern fand das Beratungsunternehmen Gallup heraus: Lediglich 11 Prozent der Deutschen weisen eine hohe emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber auf. Sie sind motiviert, jeden Tag Spitzenleistung zu erbringen und alles für den Erfolg der Firma zu geben. Rund 66 Prozent fühlen sich allerdings nur wenig an ihr Unternehmen gebunden, machen Dienst nach Vorschrift und zählen die Stunden bis zu Feiertagen und Urlaub.
Die Motivation deutscher Mitarbeiter   Die Motivation deutscher Mitarbeiter
Erschreckend ist: Fast jeder Vierte (23 Prozent) hat innerlich längst gekündigt. "Diese Mitarbeiter haben ihren Job satt", erklärt Marco Nink, Strategic Consultant bei Gallup Deutschland. "Die Folge ist ein Verhalten, das zu Lasten der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Arbeitgebers geht." Und die Folgen sind erheblich: Schätzungen von Experten zufolge entsteht jährlich ein Schaden zwischen 92 und 121 Milliarden Euro.
Den Beratungsexperten zufolge haben sich die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr kaum geändert. Das zeige, dass die Wirtschafts- und Finanzkrise kaum Auswirkungen auf das Engagement der Arbeitnehmer hierzulande hatte. Die Vermutung, dass sich die Arbeitnehmer verstärkt einbrächten und motivierter seien, wenn sich die wirtschaftliche Lage verschlechtere und die Arbeitslosigkeit zunehmen, habe sich nicht bestätigt.
Die sogenannten "Q 12" - Aspekte zum Arbeitsplatz und -umfeld, die die emotionale Bindung an ihren Arbeitgeber definieren (Gallup)
Der Mitarbeiter...
- weiß, was von ihm erwartet wird
- hat Materialien und Arbeitsmittel ausreichend zur Verfügung
- kann tun, was er am besten kann
- erhält Anerkennung
- wird als Mensch gesehen
- erhält Unterstützung
- weiß, dass seine Meinung zählt
- kann sich mit Unternehmenszielen identifizieren
- sieht, dass sich seine Kollegen für Qualität engagieren
- hat einen guten Freund im Unternehmen
- sieht einen Fortschritt
- kann lernen und sich entwickeln
Für Nink und seine Kollegen ist die niedrige Mitarbeiterbindung hausgemacht. Grund sei oftmals eine schlechte Personalführung. Die Chefs seien der Knackpunkt. Sie würden häufig die Bedürfnisse und Erwartungen ihrer Mitarbeiter teilweise oder völlig ignorieren - was sich in einer geringen emotionalen Bindung der Beschäftigten niederschlage.
Das zeigt schon der Fakt, dass nur sechs Prozent der wenig motivierten und resignierten Beschäftigten angaben, in den zurückliegenden sieben Tagen Lob und Anerkennung bekommen zu haben. Dagegen bestätigten 63 Prozent der Hochmotivierten, ihnen sei kürzlich Wertschätzung entgegen gebracht worden.
Wo es zwischen Führungskraft und Team nicht stimmt und daher Motivation fehlt, kritisierten die Mitarbeiter massiv,
  • der Chef interessiere sich nicht für sie als Mensch,
  • es gebe niemanden, der ihre persönliche Entwicklung im Unternehmen fördere,
  • es fehle an Leistungsfeedback,
  • ihre Meinungen und Ansichten hätten im Unternehmen kein Gewicht.
38 Prozent der Befragten, die sich nur gering an ihr Unternehmen gebunden fühlen, würden daher ihren Vorgesetzten sofort entlassen - wenn sie könnten.
Die Fachleute von Gallup raten, diese Erkenntnisse ernst zu nehmen. Marco Nink: "Mitarbeiter mit hoher emotionaler Bindung - das haben unsere Studien ergeben - arbeiten produktiver, sind innovativer und kundenorientierter. Kurz gesagt: Sie tragen erheblich zur Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen bei."

Die jährliche Studie "Gallup Engagement Index" der Unternehmensberatung Gallup basiert auf den telefonischen Befragungen von rund 500 Arbeitnehmern in Deutschland im Herbst 2009.
  • FTD.de, 01.04.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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