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Merken   Drucken   07.06.2011, 19:08 Schriftgröße: AAA

Mitarbeitergesundheit: Burn-out und andere teure Probleme

Wenn Mitarbeiter wegen eines Burn-outs ausscheiden, sorgt das in Unternehmen für hohe Kosten. Doch Einbußen gibt's auch ohne, denn: Vier von fünf Arbeitnehmern fühlen sich aufgrund psychosozialer Probleme in ihrer Leistung eingeschränkt. von Sabine Meinert 
Burn-out ist das Schlagwort, das heutzutage immer häufiger für Aufmerksamkeit sorgt. Doch leider gibt es nur einen Teil des Problems wieder, das Manager haben, wenn sie die seelische und körperliche Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu wenig beachten. Immerhin 79 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland fühlen sich in ihrer Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz eingeschränkt. Das ist das Ergebnis einer Studie des Fürstenberg Instituts in Hamburg, die gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Forsa erstellt wurde.
Wenn der Zusammenbruch da ist, hilft nur noch Krankschreibung   Wenn der Zusammenbruch da ist, hilft nur noch Krankschreibung
Eine Zahl, die aufhorchen lassen sollte, nicht nur aus moralischen Gründen. Denn das Hamburgische Weltwirtschafts-Institut (HWWI) berechnete auf dieser Grundlage die Kosten des Problems: Der deutschen Wirtschaft gehen jährlich damit 364 Mrd. Euro verloren. Den Fachleuten zufolge entspricht das rund 16 Prozent des realen Bruttoinlandsprodukts.
Leistungsdruck, wenig Lob, schwache Chefs
Befragt nach den Umständen, die verhindern, dass sie eine optimale Leistung im Job erbringen, verwiesen die Arbeitnehmer auf körperliche Beschwerden, psychische und soziale Probleme, familiäre Sorgen sowie arbeitsplatzbezogene Belastungen. 87 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, sie fühlten sich von solchen Problemen betroffen. 79 Prozent bejahten, dass sie deshalb weniger Leistung erbringen können.
Im Fokus stehen vor allem Probleme am Arbeitsplatz. Mehr als die Hälfte der Befragten kommt mit dem hohen Leistungsdruck nicht klar. Jeder Dritte bemängelt, dass es für geleistete Arbeit zu wenig Anerkennung gibt. Ein großer Klagepunkt sind zudem die mangelnden Führungsqualitäten der Vorgesetzten. Bei jedem Vierten fehlt sogar das Vertrauen in die Unternehmensleitung.
Was schränkt Ihre Leistung im Job ein?
GrundNennungen
Probleme am Arbeitsplatz 68 Prozent
hoher Leistungsdruck51 Prozent
fehlende Anerkennung39 Prozent
schlechte Führung31 Prozent
kein Vertrauen in Unternehmensleitung26 Prozent
Quer liegt vielen Deutschen auch im Magen, dass die Vereinbarkeit von Job und Familie häufig zwar auf dem Papier steht, aber oft nicht gewährleistet ist. 52 Prozent ärgert das. Mindestens ebenso viele geben psychische und soziale Probleme als Ursache an für ihre Leistungsminderung. 48 Prozent haben körperliche Probleme, 31 Prozent drücken zudem private und familiäre Sorgen.
Die Spitze des Eisbergs
Angesichts dieser Zahlen kommen die Personalberater vom Fürstenberg Institut zu dem Schluss, dass der immer wieder in der Diskussion stehende Burn-out als Mitarbeiter-Kostenfaktor nur die Spitze des Eisberges ist. "Das seelische und körperliche Wohlbefinden von Mitarbeitern wird als volkswirtschaftliche Größe seitens vieler Arbeitgeber noch immer nicht in vollem Umfang erkannt", so Geschäftsführer Werner Fürstenberg. Vor allem vor dem Hintergrund, dass laut Studie das Gefühl der Belastung und Leistungsminderung im Vergleich zum Vorjahr weiter gestiegen sei, fügt er hinzu.
Der Gewinn für Unternehmen liegt daher in der Stress- und Burn-out-Prävention, wie auch der Burn-out-Experte Peter Buchenau in seinen Kabarett- und Ausbildungsprogrammen deutlich macht. Wichtig sei zudem, präventiv tätig zu werden - gerade als Führungskraft, sind auch Mediziner überzeugt. Zusätzlicher Vorteil von Gesundheitsmaßnahmen sei neben der Kostenersparnis, dass sie sich positiv auf Arbeitsatmosphäre und Zufriedenheit der Angestellten auswirke, so Tomas Stein, Kardiologe am Diagnostik-Zentrum Fleetinsel in Hamburg. "Diese beiden Faktoren sind ein wichtiger Grundstein, um Arbeitnehmer langfristig leistungsfähig zu halten und beispielsweise Erschöpfungskrankheiten vorzubeugen."
Nachwuchs will nicht nur sichere Jobs
Für die Nachwuchssuche dürften die Zahlen der Fürstenberg-Studie ebenfalls von Belang sein. Denn immer mehr Berufseinsteiger legen Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance. Jeder zweite Absolvent sieht darin sein oberstes Karriereziel, so eine Umfrage des Employer-Branding-Spezialisten Universum. Einen Burn-out der Karriere wegen zu riskieren, schließen die meisten für sich aus.
Für den Fürstenberg Performance Index 2011 (FPI) wurden in diesem Jahr zum zweiten Mal Arbeitnehmer zu Problemen am Arbeitsplatz befragt. Die repräsentative, bundesweite Umfrage wird ab Ende Juni komplett veröffentlicht.
  • FTD.de, 07.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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