Arbeitslose finden weit weniger schnell als bisher angenommen über Zeitarbeit einen Job. Der sogenannte "Klebeeffekt" - die nahtlose Übernahme durch das Entleihunternehmen - liegt nach einer neuen Studie bei gerade einmal sieben Prozent. Er bleibe damit "in allen Branchen und über alle Gruppen deutlich unter den 30 Prozent", die in der Öffentlichkeit häufig propagiert würden, heißt es in der Studie, die das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt hat und die der FTD vorliegt. "Die Hoffnung auf einen raschen Übergang in ein Arbeitsverhältnis außerhalb der Zeitarbeit geht nur selten in Erfüllung", sagte die zuständige Projektmanagerin Juliane Landmann. Erst langfristig gelinge es, über die Zeitarbeit eine Stelle zu finden.
Bisherige Studien hatten den Klebeeffekt auf mindestens 14 Prozent geschätzt. Die neue Studie untergräbt die großen Hoffnungen über den Nutzen der Zeitarbeit als Brücke in den Arbeitsmarkt - und befeuert die laufende Debatte zwischen Gewerkschaften und Parteien.
Die RWI-Forscher haben vor allem Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ausgewertet. Danach kann ein Arbeitsloser nicht damit rechnen, dass er beim ersten Einsatz bei dem Entleiher einen Job bekommt - wohl aber, dass sich nach mehreren Einsätzen seine Chancen auf eine feste Vollzeitstelle erhöhen. "Zeitarbeit lohnt sich für den Arbeitslosen, der langfristig eine Vollzeitstelle sucht", sagte Landmann.
Grundsätzlich gibt es den Klebeeffekt eher bei kleinen als bei großen Firmen. Nur bei den unternehmensnahen Dienstleistungen gelingt es laut der Studie neun Prozent der Leiharbeiter, sehr schnell in das Unternehmen zu wechseln. Als Sprungbrett dient die Zeitarbeit erst, wenn der Arbeitslose mindestens ein Jahr dabeibleibt: Nach einem Jahr haben 34 Prozent, nach zwei Jahren sogar rund 45 Prozent einen festen Job gefunden. Meist bleiben Zeitarbeiter aber nur drei Monate in einer Firma.
Um Zeitarbeit als Brücke in den Arbeitsmarkt zu stärken, schlagen die Autoren der Studie vor, sie weiter zu reformieren. So könnte eine Anhebung der Zeitarbeitslöhne zu einer schnelleren Übernahme führen. Die seit 1. November geltenden Branchenzuschläge in der Metall- und Elektroindustrie und der Chemiebranche loben die RWI-Experten daher.
Zudem schlagen die Autoren Prämien der Arbeitsagentur vor, wenn Zeitarbeiter in feste Jobs vermittelt werden, und eine branchenweite, institutionalisierte Weiterbildung. Entsprechende Angebote gibt es zwar schon in vielen Zeitarbeitsfirmen, auch dank des wachsendem Fachkräftemangels. Wenn es allerdings um Langzeitarbeitslose gehe, heißt es in dem Papier, müsse das Interesse an Weiterbildung "noch geweckt werden". Hilfreich wäre zudem ein Nachweis über neue Kompetenzen.