Wer als Manager, Unternehmer oder Politiker scheitert, erhält nur selten eine zweite Chance. Die FTD porträtiert Spitzenkräfte, die den Neustart geschafft haben.
Die Adresse klingt beeindruckend: 10 Presidential Way. Hier also sitzt die neue Firma des einstigen Börsenmilliardärs. Doch die Zentrale des E-Commerce-Anbieters Demandware entpuppt sich als flacher, brauner Betonblock mit ödem Parkplatz in einem Gewerbegebiet am äußersten Rand von Boston. Der Hausherr ist Repräsentativeres gewöhnt: Damals, als Chef der milliardenschweren Softwarefirma Intershop , residierte Stephan Schambach im gläsernen Intershop-Tower in Jena.
Es war eine laute, schnelle Zeit. Schambachs Imageberater verordneten ihm Kontaktlinsen und eine Diät. Die neuen Helden mussten smart aussehen. Schambach feierte Riesenerfolge. Dann platzte die Internetblase, die Aktie des Unternehmens stürzte von mehr als 2000 Euro auf 69 Cent.
Heute trägt Schambach wieder Brille. Er läuft Marathon - und hat in den USA eine zweite Karriere hingelegt. Der 40-Jährige wirkt so jung wie zu den besten Zeiten des Neuen Marktes.
Intershop ist Schambachs bisher größter Erfolg. Die Firma vertrieb Softwarepakete, die großen Unternehmen den Handel im Internet ermöglichten. Intershop steht noch heute für ordentliche Software - aber in Deutschland immer auch für den spektakulären Absturz. "In den USA wird das nicht so gesehen", sagt Schambach. Hier gelte er als erfahrener Unternehmer. Auf die Frage, ob ihm nicht ein Makel anhafte, reagiert er leicht gekränkt: "Auch in Deutschland bin ich in der Branche anerkannt." In Deutschland werde man eben hochgejubelt und dann "heruntergeklatscht", das gehöre dazu "wie das schnelle Autofahren".
Als Unternehmer versuchte sich Schambach schon in der DDR. Im Werkraum im Keller seiner Eltern lötete er als Teenager Bürocomputer zusammen und verkaufte sie mit selbst geschriebener Software: 8000 Mark, ein Festplattenlaufwerk kostete extra. "Neidisch" habe er die PC-Revolution im Westen verfolgt, sagt Schambach, "aber ich saß auf der falschen Seite vom Eisernen Vorhang". Er durfte kein Abitur machen und ließ sich in Jena zum Labortechniker ausbilden. Mit seinen selbst gebauten Computern und Lichtorgelverstärkern für die Disco verdiente er gut. "Es gab ja keine Konkurrenz". Als die Mauer fiel, war das schlagartig vorbei.
Teil 2: "Ich liebe diese Firma!"