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Merken   Drucken   08.11.2012, 17:24 Schriftgröße: AAA

Work-Life-Balance: Deutsche können Job und Familie schwer vereinbaren

Alarmierende Ergebnisse einer neuen Studie der FTD und des GfK Vereins: Die meisten Beschäftigten in Deutschland haben enorme Probleme, Arbeit und Familie gleichzeitig in den Griff zu bekommen. Vor allem Mütter in Teilzeit erleben Belastungen wie bei Topmanagern.
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Alarmierende Ergebnisse einer neuen Studie der FTD und des GfK Vereins: Die meisten Beschäftigten in Deutschland haben enorme Probleme, Arbeit und Familie gleichzeitig in den Griff zu bekommen. Vor allem Mütter in Teilzeit erleben Belastungen wie bei Topmanagern.
von Hamburg

Die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland schafft es nicht oder nur sehr schlecht, Arbeit und Familienleben zu vereinbaren. 57 Prozent klagen über eine zu hohe Belastung im Beruf, 58 Prozent über stressbedingte gesundheitliche Beschwerden. Das ist das Ergebnis der Studie "Leben und Arbeiten in Deutschland" der FTD und des GfK Vereins. Mit 2655 Befragten ist sie die umfassendste wissenschaftliche Untersuchung zum Thema Work-Life-Balance in Deutschland.

Trotz Kita-Ausbau und Elterngeld stehen vor allem Berufstätige mit Kindern im Arbeitsalltag vor großen Problemen. "Kinder sind zum entscheidenden Faktor in unserer Arbeitswelt geworden", sagt Studienleiter Ronald Frank vom GfK Verein. "Ein ausgeglichenes Familienleben gelingt meist nur dann, wenn mindestens einer der Partner auf eine berufliche Karriere verzichtet."

Die Ergebnisse der Studie belegen eine Spaltung der deutschen Gesellschaft - nur dass die Trennlinie hier nicht zwischen hohen und geringen Einkommen oder Bildungsgraden verläuft. Zu welcher gesellschaftlichen Gruppe man gehört, hängt hingegen davon ab, ob Kinder vorhanden sind und wie hoch die berufliche Belastung ist. So ist die Burnout-Gefahr bei Frauen, die Teilzeit arbeiten und gleichzeitig Haushalt und Familie allein managen, genauso groß wie bei Topmanagern; das Belastungsniveau ist vergleichbar. Gleichzeitig ist der Wunsch nach einer beruflichen Auszeit (Sabbatical), bisher eher ein Privileg gut verdienender Akademiker, bei Geringverdienern genau so ausgeprägt wie bei Führungskräften. Es stelle sich die Frage, welche Konsequenzen Gesellschaft und Politik aus diesem Wandel ziehen muss, sagt Raimund Wildner, Geschäftsführer des GfK Vereins.

Vor allem bei jüngeren Menschen ist eine grundlegend veränderte Arbeitseinstellung zu beobachten. Mehr als jeder Dritte wünscht sich die Möglichkeit, zeitlich flexibel oder von Zuhause aus arbeiten zu können. Bisher gehört dies nur bei den besser bezahlten Jobs zum Standard. Viele sind zudem bereit, Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten hintanzustellen, um mehr Zeit für den Partner, die Familie oder das Privatleben zu haben. "Dies ist eine Entwicklung, die wir so vor zehn Jahren noch nicht gesehen haben", sagt Studienleiter Frank.

Für die Unternehmen in Deutschland bedeutet dieser Wertewandel vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels eine neue Herausforderung: Die qualifizierten Arbeitskräfte werden immer knapper, aber immer anspruchsvoller. Bosch-Arbeitsdirektor Christoph Kübel fordert: "Wir müssen einen Kulturwandel im Unternehmen einleiten, denn die nächste Generation hat ganz andere Vorstellungen von ihrem Berufsleben."

Die Studie belegt auch, dass die Deutschen weit mehr und länger arbeiten als allgemein angenommen. So liegt die durchschnittliche Arbeitszeit hierzulande bei 42 Stunden, 68 Prozent der Befragten nehmen für bessere Verdienstmöglichkeiten Mehrarbeit und Überstunden klaglos in Kauf.

Als Mythos entlarvt die Untersuchung die Annahme, dass Spitzenverdiener für ihr höheres Einkommen mehr arbeiten als Geringverdiener. Demnach besteht zwischen den durchschnittlichen Arbeitszeiten der beiden Gruppen nahezu kein Unterschied - wobei die Bezieher niedriger Einkommen angeben, deutlich weniger Freizeit zu haben. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass immer mehr Beschäftigte im Niedriglohnsektor gezwungen sind, mehr als einen Job gleichzeitig zu haben, um finanziell über die Runden zu kommen.

  • FTD.de, 08.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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