Er ist auch nicht der einzige Ex-Bundespräsident, sondern nur einer von fünf noch lebenden. Daher ist es schlicht unsinnig, wenn sich die Debatte jetzt vor allem um ihn dreht, nur weil der Haushaltsentwurf eine Erhöhung der Bezüge für den jetzigen Bundespräsidenten und die früheren Staatsoberhäupter - sowie für Kanzler und Minister - vorsieht. Deutschland sollte auch mal loslassen können. Erst recht von Wulff.
Gerade Bundespräsidenten sollten gut genug bezahlt werden. Sie sollten auch nach ihrer Amtszeit finanziell unabhängig sein - und nicht darauf angewiesen sein, später für, sagen wir mal, russische Gaskonzerne zu arbeiten, wie mancher Ex-Kanzler. Wer in das höchste Amt der Republik gewählt wird, verdient einen Vertrauensvorschuss, dass er sich im Amt (egal wie lang er es ausübt) und danach vorbildhaft verhält - inklusive der dafür nötigen materiellen Ausstattung. Fast alle haben dies gerechtfertigt. Wulff war die Ausnahme, nicht der Normalfall.
Nur wegen dieses Niedersachsen sollten nicht gleich die Privilegien für Bundespräsidenten infrage gestellt werden. Auch nicht die Ehrensold-Erhöhung: 18.000 Euro zusätzlich zu den bisherigen 199.000 Euro im Jahr klingen zunächst nach viel Geld. Aber erstens ist das gerade einmal ein Plus von neun Prozent seit der letzten Aufstockung 2002, also nicht einmal ein Inflationsausgleich. Und zweitens bekommt damit das deutsche Staatsoberhaupt, der Repräsentant von 80 Millionen Deutschen im Inland wie im Ausland, damit immer noch nur etwa halb so viel wie etwa der Chef der Sparkasse von Dortmund. Und Bundeskanzler und Bundesminister bekommen noch weniger als Gauck, Wulff oder Herzog.
Das heißt allerdings nicht, dass man die Rahmenbedingungen nicht genauer regeln soll, so wie es nun eine Arbeitsgruppe der Regierungsfraktionen beabsichtigt. So kann man durchaus klarer und transparenter machen, wie nach der Amtszeit Einkünfte auf den Ehrensold anzurechnen sind, etwa aus Buchverkäufen. Oder welche Mitarbeiterzahl und welche Bürolage ehemaligen Bundespräsidenten - oder auch Ex-Kanzlern - zustehen. Es muss ja nicht immer ein repräsentatives Anwesen in der Friedrichstraße sein, auch im Bundestag gibt es schicke Zimmer. Sogar mit Spreeblick.