Dass die Politik nach dem Gold der Bundesbank greift, ist nicht neu. Immer wieder sollen mit dem Gold Etatlöcher gestopft werden. Wie 1997 bei Theo Waigels "Operation Goldfinger": Der damalige CSU-Bundesfinanzminister wollte die seinerzeit 95 Millionen Feinunzen Gold, die nach dem Niederstwertprinzip mit jeweils 144 D-Mark in den Büchern der Bundesbank standen, neu bewerten - und zwar zum Marktpreis von 600 D-Mark. Das hätte dem Bund bis zu 40 Mrd. D-Mark Gewinn beschert.
Zumindest öffentlich schlug Bundesbankchef Hans Tietmeyer Alarm - dabei war er selbst es, der Waigel zum Griff nach dem Gold geraten hatte. Allerdings verlor Tietmeyer an Rückhalt im eigenen Haus und fiel Waigel in den Rücken.
Auch ein zweiter bekannter Angriff auf das Gold der Bundesbank scheiterte kläglich. 2003 ging es nicht um das Stopfen von Schuldenlöchern, sondern um eine Reform des Sozialsystems. Eine Kommission unter Vorsitz von Ex-Bundespräsident Roman Herzog schlug vor, die Pflegeversicherung in ein Prämienmodell mit Kapitaldeckung umzubauen. Zum Aufbau des Kapitalstocks sollte das Gold der Bundesbank verkauft werden. Nachdem sich Bundesbankpräsident Ernst Welteke öffentlich gegen die Pläne gewehrt hatte, zog Herzog den Vorschlag schnell wieder zurück.
Mehr zu: Bundesbank, Gold, Goldreserven
Ausgerechnet Welteke, der die Goldreserven stets mit Verve verteidigte, blies nur ein Jahr später zum nächsten Angriff: Er schlug vor, bis zu 600 Tonnen Gold, mehr als ein Sechstel der deutschen Reserven, zu verkaufen, um Geld für das Bildungssystem hereinzuholen. "Eine interessante Idee", befand Regierungssprecher Béla Anda im Auftrag von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Zustimmung kam auch vom grünen Koalitionspartner, sogar die Opposition zeigte sich nicht abgeneigt. Wieder aber sperrten sich Gremien in der Bundesbank und der damalige Finanzminister Hans Eichel.
2009 dann forderte Unions-Haushaltsexperte Steffen Kampeter den Verkauf der Goldreserven, um Konjunkturpakete zu finanzieren. Die Reserven seien schließlich für Krisenzeiten angelegt worden. Kurz darauf wurde der heutige Finanzstaatssekretär von Finanzminister Peer Steinbrück in die Schranken gewiesen.
Der Tresor der Bundesbank blieb verschlossen - wieder einmal.