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Merken   Drucken   02.01.2012, 06:55 Schriftgröße: AAA

Privatdarlehen: Wulff soll Springer-Verlag gedroht haben

Der Bundespräsident macht weiter Schlagzeilen. Zwei Zeitungen berichten, dass Christian Wulff den Verlag vor der "Bild"-Veröffentlichung telefonisch vor Konsequenzen gewarnt habe. Auch wurden neue Details über sein Privatdarlehen bekannt. von Lutz Meier  Berlin und Matthias Brügge  Hamburg
Für Bundespräsident Christian Wulff bringt das neue Jahr neuen Ärger. Es wurden neue Ungereimtheiten in Verbindung mit seiner umstrittenen Immobilienfinanzierung bekannt, gleichzeitig wächst die Kritik an der unvollständigen Informationsvergabe des Staatsoberhaupts in diesen Fragen.
Die größten Wellen aber schlagen übereinstimmende Berichte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" und der "Süddeutschen Zeitung", denen zufolge der Bundespräsident noch vor der "Bild"-Veröffentlichung über sein 500.000-Euro-Privatdarlehen von dem Unternehmer Egon Geerkens telefonisch dem Springer-Verlag mit Konsequenzen gedroht haben soll für den Fall, dass der Bericht veröffentlicht werde.
Villa Geerkens Wo Wulff Urlaub machte
Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete am Sonntag über Wulffs persönliche Reaktion auf die Anfragen von "Bild" zu seinem Privatdarlehen. Wulff habe am 12. Dezember von seinem Staatsbesuch im Persischen Golf bei Chefredakteur Kai Diekmann angerufen, als er von der bevorstehenden Veröffentlichung erfuhr. Er habe für diesen Fall dem "Bild"-Eigner Springer-Verlag mit "endgültigem Bruch" gedroht und von "Kriegführen" gesprochen. Allerdings erwischte der Präsident Diekmann nicht persönlich. Laut übereinstimmenden Berichten von "FAZ" und "Süddeutscher Zeitung" habe Wulff die Drohungen auf Diekmanns Anrufbeantworter hinterlassen. Der "SZ" zufolge habe Wulff gesagt, falls diese "unglaubliche Geschichte" tatsächlich erscheine, sei für ihn und seine Frau "der Rubikon" überschritten.
"Bild" hatte sich von der Veröffentlichung nicht abbringen lassen und ging am 13. Dezember mit dem Bericht zu Wulffs Privatkredit an die Öffentlichkeit. Später habe Wulff laut "SZ" noch einmal Kontakt mit Diekmann aufgenommen, seinen vorherigen Anruf bedauert und die Sache damit für beendet erklärt.
Dem Bericht zufolge habe Wulff gewusst, dass Medien seit Monaten Hinweisen auf die Finanzierung des Einfamilienhauses in Burgwedel bei Hannover nachgingen. Immerhin habe es einen Rechtsstreit durch alle Instanzen zur Einsicht für Journalisten ins entsprechende Blatt des Grundbuchamts gegeben.
Als niedersächsischer CDU-Ministerpräsident sei Wulff einen positiveren Umgang der Springer-Medien mit ihm gewohnt gewesen, daher habe ihn die "Bild"-Veröffentlichung geschockt. Laut "SZ" kühlte das Verhältnis schon im Präsidentenwahlkampf ab, als die Springer-Presse Sympathien für den rot-grünen Gegenkandidaten Joachim Gauck zeigte.
VW-Aufseher Christian Wulff half 2009 Porsche, als Chef Wendelin ...   VW-Aufseher Christian Wulff half 2009 Porsche, als Chef Wendelin Wiedeking die Übernahme VWs verpatzt hatte
Auch zu Wulffs Privatkredit von der baden-württembergischen BW-Bank wurden neue Informationen bekannt. Die "FAZ am Sonntag" meldete unter Berufung auf Wulffs Anwalt, dass der Präsident seinen vorerst letzten Darlehensvertrag für sein Haus erst drei Tage vor Weihnachten unterschrieben hat - am Vortag seiner dramatischen öffentlichen Erklärung, in der er beteuerte, mit seiner Finanzierung sei alles in Ordnung. Der Umstand, dass Wulff den neuen Kreditvertrag erst so spät geschlossen hat, ist nicht nur pikant, weil Wulff in seiner Erklärung darüber hinweg ging. Zuvor hatte er den Eindruck erweckt, der Kredit sei längst festgezurrt.
Der Kreditvertrag ist in der Debatte um Wulffs Interessenkollisionen und seinen Umgang mit der Wahrheit deswegen so wichtig, weil er mit diesem Vertrag der BW Bank den sogenannten Schnäppchenkredit ablöste: einen Geldmarktkredit der gleichen Bank, den er dort zu äußerst attraktiven Konditionen erhalten hatte. Am 15. Dezember hatte Wulff erklärt, er habe inzwischen anstelle dessen "ein langfristiges Bankdarlehen festgeschrieben". Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte später der FTD, die Umschuldung habe nichts mit der Kritik an Wulff zu tun.
"Bei dem rollierenden Geldmarktkredit handelte es sich um eine bloße Zwischenfinanzierung." Wulff habe nur auf ein günstiges Zinsniveau gewartet. Es ist jedoch auch denkbar, dass der Präsident mit dem neuen Vertrag auf Recherchen von Journalisten reagierte. Denn laut Lehr wurden die Zinsen für den neuen Kredit am 25. November "fixiert". Damals beschäftigten Wulffs Immobiliendarlehen bereits Redaktionen im Land. Dabei ging es um das umstrittene Darlehen aus der Unternehmerfamilie Geerkens, das deshalb diskutiert wurde, weil Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident im Landtag Geschäftsbeziehungen zu Egon Geerkens, dem Gatten seiner Kreditgeberin Edith Geerkens, verneint hatte.

Teil 2: "Spiegel" zieht Querverbindung zu Wulffs Rolle als VW-Aufseher

  • FTD.de, 02.01.2012
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