Die Vermögensverwalter der Deutschen Bank stellen sich trotz der positiven Signale für eine baldige Regierungskoalition der Altparteien auf einen baldigen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ein. "Ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist ein sehr wahrscheinliches Szenario", sagte der Chef-Anlagestratege (CIO) der Vermögensverwaltungssparte DB Advisors, Georg Schuh, am Dienstag auf einer Konferenz in Frankfurt.
Schuh hatte bereits vor einem Jahr im Gespräch mit Reuters vor einem Flächenbrand in der Euro-Zone gewarnt und sieht sich in seinen Befürchtungen nun bestätigt. DB Advisors verwaltet weltweit über 100 Mrd. Euro für institutionelle Investoren wie Pensionskassen, Stiftungen und Unternehmen.
Im Moment gebe es keine überzeugende Lösung für die Probleme im gemeinsamen Währungsraum, auch wenn die Europäische Zentralbank (EZB) "noch ein paar Schüsse" an Notmaßnahmen freihabe. "Der Kapitalmarkt hat ein Auseinanderbrechen bereits eingepreist. Die Investoren sind da viel weiter als die Politik", mahnte Schuh. "Ich glaube, wir sind jetzt in der Endspiel-Phase."
Angesichts einer verschlechterten Wirtschaftslage muss der Hilfsvertrag zwischen Griechenland und seinen internationalen Geldgebern verändert werden. Der Vertrag, der die Südosteuropäer zum Sparen und zu tiefgreifenden Reformen verpflichtet, sei rechtlich innerhalb einer normalen Überprüfung änderbar. Das sagten EU-Diplomaten am Dienstag in Brüssel. Europäische Spitzenpolitiker hatten eine Verlängerung von Fristen ins Spiel gebracht. Die Substanz soll jedoch unberührt bleiben.
Griechenland hatte im Frühjahr über ein neues Hilfsprogramm 130 Mrd. Euro erhalten. Das Land verpflichtete sich im Gegenzug in dem sogenannten Memorandum of Understanding dazu, seine Staatsverschuldung bis Ende des Jahrzehnts auf einen einigermaßen erträglichen Stand von rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung bringen. Erlaubt sind nur 60 Prozent.
Nach Worten des Deutsche Bank-Strategen Schuh könnte Griechenland noch dieses Jahr den Euro verlassen: "Je eher, desto besser." Für den Euro könne dies auch eine Chance sein - nämlich dann, wenn er nicht als "starre Währung" verstanden werde, sondern als "organisches Konstrukt", das sich über die Jahre verändere. So könnten einzelne Länder wie Griechenland ausscheiden, andere wie Polen dafür hinzukommen. "Die Situation ist im Moment so dramatisch, man muss es auf einen Versuch ankommen lassen."
Griechenland sei vor allem wegen der schweren Rezession und wegen des wochenlangen Wahlkampfs bei dem Programm aus der Spur gekommen, sagte er weiter. Die Kommission erwartet, dass die Wirtschaftsleistung allein im laufenden Jahr um 4,7 Prozent sinken wird. Schon im vergangenen Jahr hatte es einen Rückgang um fast sieben Prozent gegeben.