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Merken   Drucken   13.11.2012, 21:04 Schriftgröße: AAA

Export-Einbruch in Südeuropa: Wir kaufen nichts

Italien und Spanien fallen in der Euro-Krise als Exportmärkte für die deutsche Wirtschaft weit zurück. Osteuropäische Staaten ziehen in der Rangliste der Abnehmer deutscher Waren an den Krisenländern vorbei.
© Bild: 2012 Getty Images/Michael Busselle
Italien und Spanien fallen in der Euro-Krise als Exportmärkte für die deutsche Wirtschaft weit zurück. Osteuropäische Staaten ziehen in der Rangliste der Abnehmer deutscher Waren an den Krisenländern vorbei.
von Berlin

Die Euro-Südländer haben 2012 spürbar an Gewicht für die deutsche Exportbranche verloren. Das zeigen exklusive Berechnungen des Ifo Instituts für die FTD zum Ranking der deutschen Absatzmärkte gemessen an den nominalen Warenexporten. Demnach dürfte Italien als vormals sechstwichtigster Absatzmarkt in diesem Jahr von Österreich überholt werden. Spanien wird den Daten zufolge von Rang elf auf den 13. Platz abrutschen - noch hinter Polen, Russland und Tschechien. Dort können deutsche Unternehmen mittlerweile deutlich mehr Waren absetzen als in Südeuropa.

Damit werden die Folgen der Euro-Krise für die dritt- und viertgrößten Volkswirtschaften der Währungszone deutlich. Noch im Jahr 2007 war Italien viertwichtigster deutscher Absatzmarkt. Und auch vor zwei Jahren war das Land immer noch vor China auf Rang fünf. Doch fehlendes Wachstum hat zu einer sinkenden Nachfrage nach deutschen Gütern geführt. Noch dramatischer ist der Absturz Spaniens: Im Jahr 2008 war das Land noch achtwichtigster deutscher Exportmarkt - seither wurde es vor allem von den Osteuropäern verdrängt.


Das weltweite Investitionsklima. Für Daten klicken Sie auf die Länder. Quelle: World Bank.

             In Klammern steht die Gesamtplatzierung des Vorjahres.

Folgen der Sparpolitik

"In Italien und Spanien belasten nach wie vor die fiskalischen Konsolidierungsmaßnahmen und die hohe Arbeitslosigkeit die Binnennachfrage stark", sagt Steffen Elstner, Forscher am Ifo Institut. "So sind zum Beispiel bis August dieses Jahres die deutschen Kraftfahrzeugexporte in beide Länder um 20 Prozent gesunken."

Die Zahlen korrespondieren mit den niedrigeren Wachstumserwartungen in Deutschland. Die Bundesregierung hat ihre Konjunkturprognose bereits reduziert und verweist dabei auch auf die schwächere Nachfrage nach deutschen Produkten aus dem Süden Europas. Auch insgesamt geht die Bedeutung der Euro-Zone für die deutschen Exporteure zurück. Laut Ifo wird der Anteil der Ausfuhren in die Währungszone von 2009 bis Ende 2012 um sechs Prozent auf voraussichtlich 37 Prozent fallen. Das ist vor allem eine Folge der eingebrochenen Nachfrage aus den südlichen Krisenländern.

Die Münchner Forscher gehen davon aus, dass die nominalen Ausfuhren im vierten Quartal um 2,5 Prozent zurückgehen werden. Dabei werden erneut die Exporte in die Euro -Zone mit einem Rückgang von 3,5 Prozent besonders stark betroffen sein. Diese Entwicklung deutete sich bereits in den vergangenen Monaten an. Die Schwellenländer vor allem in Osteuropa gewinnen dagegen weiter an Bedeutung.

China stockt, Russland holt auf

Chinas rasanter Aufstieg als Absatzmarkt pausiert allerdings in diesem Jahr. Das Land bleibt wie im vergangenen Jahr fünftwichtigster Exportmarkt, nachdem es zuvor innerhalb kürzester Zeit immer weiter nach vorn gerückt war. Grund für die Verschnaufpause ist die Schwäche der chinesischen Konjunktur in diesem Jahr: Das Wachstum der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt dürfte sich in diesem Jahr auf unter acht Prozent verlangsamt haben - 2010 waren es noch gut elf Prozent. Im kommenden Jahr dürfte der Aufstieg Chinas dann aber weitergehen: Für 2013 erwarten die Ifo-Forscher den Sprung auf Platz drei. Auch Russlands Bedeutung für deutsche Exporteure dürfte dann weiter zunehmen und das Land erstmals in die Top Ten der Absatzmärkte aufsteigen.

  • Aus der FTD vom 14.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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