Leitartikel
Spanien droht eine Demütigung mehr. Als hätte das Land, das sich als eines der großen in Europa versteht, mit der Euro-Krise nicht schon Ärger genug, erhebt jetzt auch noch der Kleinstaat Luxemburg Anspruch auf Spaniens Sitz im Direktorium der Europäischen Zentralbank.
Wenn sich die Euro-Finanzminister an Fakten orientieren, schlagen sie sich auf die Seite des Kleinen. Es gibt nur einen Grund, der für eine Nominierung des Kandidaten Antonio Sáinz de Vicuña spräche: Rücksichtnahme auf die Gefühle der Spanier. Die haben bisher immer einen Vertreter in das Gremium entsandt. Doch die Argumente, die gegen das einfühlsame Festhalten an dieser Tradition sprechen, sind stichhaltiger.
Das sechsköpfige Direktorium erledigt das Tagesgeschäft und hat eine wichtigere Steuerungsfunktion inne als der EZB-Rat. Umso notwendiger ist es, dass es die Interessen aller Ländergruppen abbildet. Das tut es vor dem Hintergrund der Euro-Krise nicht mehr, wenn Spanien seinen Sitz behält.
Derzeit fühlen sich gleich mehrere Gruppen unterrepräsentiert: Staaten, die klein sind, im Norden Europas liegen, fiskalpolitisch solide sind - und damit die Rechnung für die Euro-Rettung bezahlen. Der Einzug des bestens qualifizierten Luxemburgers Yves Mersch ins Direktorium würde diese Schieflage ausgleichen und zugleich die EZB weniger angreifbar machen: Die starke Position der Krisenstaaten - mit einem Italiener als Chef des Lenkungsrats und einem Portugiesen als Vize - schürt Ängste, die EZB könnte die südeuropäischen Banken mit Geld überschütten wollen.
Mariano Rajoy
Es ist an Luxemburg, bei anderen kleinen Euro-Staaten für die Unterstützung Merschs zu werben. Angela Merkel wiederum täte gut daran, sich bald auf die Seite der Kleinen zu schlagen - und das ihrem Amtskollegen Mariano Rajoy schonend beizubringen, wenn sie ihn am Donnerstag trifft.
Luxemburg ist weniger Dolce Vita. Das kann nur sinnvoll sein. Solange kein Deutscher Chef der EZB ist (sondern seriöse Charaktere aus Frust zu Recht das Handtuch werfen), ist aber letztlich sowieso alles Wurscht. Europa ist eine gaaaanz tolle Idee, insbesondere wenn Deutschland zahlt, findet auch Herr Draghi..... auch die Finanztransaktionssteuer wirds richten: noch mehr Party im Süden! Also auf gehts!
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