Die Schuldenkrise frisst sich von der Peripherie zum Kern der Euro-Zone vor: Moody's stellt die Kreditwürdigkeit Frankreichs auf den Prüfstand. Das Triple-A-Land ist einer der wichtigsten Geldgeber des Euro-Rettungsfonds EFSF. Anleger reagieren empfindlich.
Die Risikoprämien auf französische Staatsanleihen haben am Dienstag den höchsten Stand seit Einführung des Euro erreicht. Der Renditeaufschlag, den Anleger dafür verlangen, dass sie zehnjährige französische anstelle deutscher Staatsanleihen halten, kletterte zeitweise auf 106 Basispunkte oder 1,06 Prozentpunkte.
Am Vorabend hatte die Ratingagentur Moody's mitgeteilt, sie werde den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Frankreichs in den kommenden Monaten auf den Prüfstand stellen. Schon jetzt sei die Schuldensituation in Frankreich gravierender als in den meisten anderen mit "AAA" benoteten Ländern. Zudem könnten im Zuge der Schuldenkrise weitere Belastungen auf die Staatskasse zukommen - etwa im Falle weiterer Hilfen für Länder oder die Banken.
Die Aktienkurse der großen französischen Institute gaben am Dienstagmorgen kräftig nach: Der Branchenprimus BNP Paribas notierte rund sechs Prozent im Minus, die Titel der zweitgrößten Bank Société Générale fielen um gut fünf Prozent. Crédit Agricole büßte vier Prozent ein. Der Euro fiel am frühen Morgen kurzzeitig unter die Marke von 1,37 Dollar, erholte sich aber wieder und notierte am Vormittag praktisch auf Vortagsniveau.
Der französische Finanzminister François Baroin bemühte sich, die Märkte zu beruhigen. Das Top-Rating "AAA" sei nicht in Gefahr, weil Frankreich beim Defizitabbau sogar noch dem Zeitplan voraus sei, sagte Baroin am Dienstag dem TV-Sender France 2. Er räumte allerdings ein, dass die Wachstumsprognose von 1.75 Prozent für das kommende Jahr zu hoch gegriffen sein dürfte. Eine Anpassung der Prognose sei deswegen zu einem späteren Zeitpunkt nötig.
Experten warnen im Falle einer Herabstufung Frankreichs vor gravierenden Folgen für den Euro-Rettungsfonds EFSF. Die Europäische Finanzstabilisieurngsfazilität (EFSF) hat derzeit dank der Bürgschaften von "AAA"-Staaten wie Deutschland und Frankreich ebenfalls ein Spitzenrating. Sollte Frankreich herabgestuft werden, würde sich auch das EFSF-Rating verschlechtern. Die Refinanzierungskosten des Fonds würden dadurch steigen.
Zu halten wäre das "AAA" der EFSF nur, wenn Deutschland seine Garantien aufstocken würde. Nach Berechnungen des Centrums für Europäische Politik (CEP) in Freiburg müssten sie von bisher 211 auf 317 Mrd. Euro erhöht werden, sagte CEP-Chef Lüder Gerken der "Rheinischen Post".
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