Als Generalsekretär des EU-Rates wird Uwe Corsepius Merkels wichtigster Mann in Brüssel. Ihr Europaberater braucht viel diplomatisches Geschick: Unter seinem Vorsitz schmieden die Regierungsvertreter ihre Kompromisse.
von Wolfgang Proissl
und Peter Ehrlich
Kurz vor dem EU-Gipfel griff die Kanzlerin selbst zum Hörer, um die Sache zu klären. Den Kollegen präsentierte sie ihren Europaberater Uwe Corsepius als idealen Generalsekretär des Rates - im Brüsseler Machtgefüge eine der wenigen Schlüsselpositionen. Angela Merkel setzte sich durch: Beim Gipfelabendessen einigte sich Europas Chefrunde einvernehmlich auf den deutschen Vorschlag.
Uwe Corsepius wird ab Mitte 2011 Generalsekretär des EU-Rates
Damit wird der promovierte Ökonom ab Mitte 2011 Verwaltungschef von 3200 Ratsbeamten, die die Gipfeltreffen der Staats- und Regierungstreffen und die Sitzungen der EU-Fachministerräte vorbereiten. Durch Corsepius verschafft sich Merkel zugleich einen direkten Zugang zu Herman Van Rompuy. Der wird im Januar erster ständiger EU-Ratspräsident und der Deutsche künftig sein engster Mitarbeiter.
Mit dem 49-Jährigen werden dann sämtliche einflussreichen Brüsseler Beamtenposten von Deutschen besetzt sein. Als Kabinettschef von Kommissionspräsident José Manuel Barroso hat Johannes Laitenberger größeren Einfluss auf die Politik der Kommission als jeder andere Beamte. Eine vergleichbare Machtstellung besitzt Klaus Welle als Generalsekretär der Verwaltung des EU-Parlaments.
Der hochgewachsene, schlanke Corsepius wirkt mit seinem fast jungenhaften Gesicht auf den ersten Blick nicht gerade wie der einflussreiche Stichwortgeber einer mächtigen Regierungschefin. Doch der mitunter nassforsch auftretende Wirtschaftsexperte verfügt über eine langjährige Erfahrung im Kanzleramt. Dort hat er bereits zuzeiten Helmut Kohls und Gerhard Schröders gearbeitet.
Merkel konnte er von Anfang an überzeugen. Bereits kurz nach der Amtseinführung stand er der Kanzlerin bei ihrem ersten EU-Gipfel im Dezember 2005 loyal zur Seite. Ihr Vertrauen erwarb Corsepius als Verhandlungsführer bei den schwierigen Gesprächen zum Lissabon-Vertrag und zu den Klimabeschlüssen, Merkels großen Erfolgen während der deutschen Ratspräsidentschaft.
Dennoch: Der Jobwechsel wird für Corsepius eine echte Herausforderung. Sein Vorgänger, der französische Spitzendiplomat Pierre de Boissieu, gilt als graue Eminenz mit einzigartigem Einfluss. Als der Franzose vor zehn Jahren das Amt übernahm, blickte er auf lange Erfahrungen als Topdiplomat und Spitzenbeamter in der Kommission zurück. Beim Kompromisseschmieden springt er elegant zwischen Französisch, Deutsch und Englisch, die Interessen Frankreichs nie aus dem Auge verlierend.
Corsepius' Auslandserfahrung beschränkt sich auf eine Mitarbeit beim Internationalen Währungsfonds in Washington Anfang der 90er-Jahre. In Brüssel wird der Vater zweier Kinder deutlich länger bleiben. Das nötige Selbstbewusstsein bringt er dabei mit. So verwendet er in EU-Verhandlungen vornehmlich die Wirform, als würde er wie die Kanzlerin für ganz Deutschland sprechen.
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