FTD.de » Politik » Europa » Oettinger fühlt sich nicht nach Brüssel abgeschoben

Merken   Drucken   25.10.2009, 21:24 Schriftgröße: AAA

Ruf der Kanzlerin: Oettinger fühlt sich nicht nach Brüssel abgeschoben  

Von tiefer Freundschaft geprägt war das Verhältnis zwischen Angela Merkel und dem Stuttgarter Ministerpräsidenten sicher nie. Schließlich ärgerte er die Kanzlerin ab und an. Kein Wunder, dass spekuliert wird, die CDU-Chefin habe Oettinger entsorgt. von Thomas Schmoll 
Der baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger hat Vermutungen zurückgewiesen, er werde auf Druck von Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) neuer EU-Kommissar. "Wenn jemand argwöhnt, dass dies eine Abschiebung sei, kann ich darüber nur lachen", sagte er am Sonntag in Stuttgart. "Dieses Angebot kann man nicht ablehnen."
Oettinger ist in der Südwest-CDU heftig umstritten. Die Kritik an ihm hatte nach dem schwachen Abschneiden der Christdemokraten bei der Bundestwagswahl im traditionell schwarzen Ländle noch zugenommen. Zuletzt gab es Gerüchte, er solle gestürzt werden. Als Grund wurden Pleiten, Pech und Pannen des CDU-Politikers angeführt. Den größten Rückschlag brockte er sich mit der Filbinger-Affäre im April 2007 ein. Damals versuchte er in einer Trauerrede, den Ex-Regierungschef Hans Filbinger (CDU) von dessen NS-Vergangenheit reinzuwaschen. Merkel zwang ihn zum Widerruf.
Auf Bundesebene fehlte ihm Durchschlagskraft, in Stuttgart litt sein Ansehen. Bei den Koalitionsverhandlungen in Berlin machte Oettinger in der Arbeitsgruppe Wirtschaft nach Angaben von Beobachtern eine "schwache Figur". Vermutet wird, dass Merkel, die seit langem mit Oettinger über Kreuz liegt, die Idee, ihn zum EU-Kommissar zu machen, als eine Art Befreiungsschlag betrachtete - und zwar für Oettinger und für ihre CDU. Allerdings ist der Job in Brüssel alles andere als ein Versorgungsposten. Wenn Merkel Oettinger die Aufgabe nicht zutrauen würde, hätte sie ihn kaum entsendet.

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