"Unser Erfolg sollte in unseren eigenen Händen liegen." Mit diesen Worten hat der schottische Ministerpräsident Alex Salmond sein Streben nach Unabhängigkeit begründet. Das klingt nachvollziehbar, drückt sich aber um eine große Frage: Was ist mit den Misserfolgen? Etwa mit der Royal Bank of Scotland , die mit 46 Mrd. Pfund gerettet werden musste und seitdem der Regierung in London gehört?
Damit sind wir beim Kern des Problems, vor dem viele separatistische Bewegungen stehen: Sind die Gebilde, die hier geschaffen werden sollen, selbstständig überlebensfähig - auch in Krisen? Sicherlich wird man in Katalonien, im Baskenland, in Flandern oder Norditalien glühende Plädoyers dazu hören können - und nicht alle sind abwegig.
Es wäre auch zu einfach, diese Menschen als Spinner abzutun. Wie etwa in Schottland sind es oft vernünftige Leute mit einem Anliegen, das tiefe historische Wurzeln hat. Und der Wunsch nach Eigenständigkeit richtet sich nicht gegen Europa, sondern gegen einen Zentralstaat, der seit Jahren über die Köpfe hinwegregiert hat. Europa ist eine Einheit der Vielfalt, aus vielen regionalen und nationalen Identitäten. Warum also soll man einem Schotten oder Katalanen nun den Wunsch abschlagen, über sich selbst zu bestimmen?
Das Streben nach Unabhängigkeit ist nachvollziehbar, kann aber keine Antwort auf die zentralen Fragen geben, vor denen Europa derzeit steht. Nur die Überwindung von Grenzen und Nationaldenken hat Europa Wohlstand und Sicherheit gebracht. Das Gleiche gilt für das Bewältigen von Banken-, Wirtschafts- und Finanzkrisen, die Kleinstaaten wie Irland überforderten. Nur eine große Gemeinschaft kann bei Problemen helfen, die ein einzelner Staat nicht allein bewältigen würde. Das sehen auch die Separatisten: Die Katalanen etwa möchten sich zwar von Spanien lossagen, klopfen aber gleichzeitig in Madrid um Hilfe an. Doch man kann nicht einerseits Erfolge und Reichtümer für sich reklamieren und zugleich alle Probleme und Lasten an den Zentralstaat oder die EU wegdelegieren.
Europa sollte seine regionale Vielfalt bewahren - so wie es etwa im deutschen Föderalismus möglich ist. Dafür aber muss man nicht jedes Mal einen eigenen Staat ausrufen. Das würde die Kapazitäten zur Problemlösung in Europa auf Dauer sprengen.
Katalonien, Schottland, Baskenland oder Flandern und Wallonien sind allein oder im Falle Wallonie bei Frankreich glücklicher, weil ihre Reichtümer bei ihnen bleiben. Schottland mit seinen Öl und Gasvorkommen, Katalonien mit dem eigenen Volk, Industrie und ökonomischen Erfolg der Region, Basken mit Fleiß, Industrie und Fischreichtum, Flamen mit wirtschaftlichem Erfolg, Fleiß und Know How samt Häfen und Industrie usw, usf.
Die Reste wären vielleicht alleine überfordert, reihten sich aber nur in all die weiteren Blindgänger Europas ein, um vom Geld anderer zu leben - oder im wahrscheinlichen Fall der Rückabwicklung des toten Euro wieder mit eigener Währung erfolgreich sein zu können.
Eine weitere Regionalisierung trüge nach aller historischen Erfahrung in Europa jedenfalls zur Steigerung des Erfolges bei, der ohnehin nur bis zur Fesselung durch den Euro anhielt. Seither gehts es bergab - immer schneller und immer teurer.