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Merken   Drucken   27.04.2011, 10:45 Schriftgröße: AAA

Staatsverschuldung: Euro-Krise entgleitet Politikern

Das Schuldendebakel droht außer Kontrolle zu geraten. Die Spekulationen über einen griechischen Zahlungsausfall verselbstständigen sich: Die Anleiherendite steigt auf mehr als 25 Prozent. Derweil wächst die Furcht vor dem schlimmsten Szenario: einer Flucht Spaniens unter den Rettungsschirm. von Heinz-Roger Dohms, Frankfurt und Mark Schrörs  Brüssel
Bei einer Anleiheemission der spanischen Regierung griffen Investoren am Dienstag zwar zu, verlangten aber für die kurze Laufzeit von drei Monaten einen Rekordzins von fast 1,4 Prozent pro Jahr - 0,5 Prozentpunkte mehr als bei einer Auktion von Papieren mit derselben Laufzeit im März.
Rendite zweijähriger griechischer Staatsanleihen   Rendite zweijähriger griechischer Staatsanleihen
Europas Politik steht den Ereignissen an den Märkten zunehmend hilflos gegenüber. Vor einem Monat hatten sich Staats- und Regierungschef auf eine Stärkung des Rettungsfonds EFSF verständigt. Zudem wurde für die Zeit ab 2013 der sogenannte Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) installiert. Die Hoffnung, die Investoren mit diesen Beschlüssen zu beruhigen, hat sich allerdings zerschlagen - seit dem Schuldengipfel sind die Risikoaufschläge für Anleihen aus den Peripherieländern nochmals kräftig gestiegen. Die Mittel der Politik scheinen fürs Erste ausgereizt: In Finnland regt sich politischer Protest gegen weitere Hilfen für Südeuropa, auch in Deutschland drohen Parlamentarier mit Widerstand.
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Die Lage an den Märkten wird derweil von immer neuen Krisenmeldungen beherrscht. So teilte das EU-Statistikamt Eurostat am Dienstag mit, dass das griechische Haushaltsdefizit 2010 nicht wie angenommen bei 9,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) gelegen habe - sondern bei 10,5 Prozent. Die Regierung in Athen begründete den Anstieg damit, dass die Wirtschaft stärker eingebrochen sei als erwartet. Die Gesamtverschuldung lag Ende 2010 nach den neuesten Eurostat-Zahlen bei 143 Prozent des BIPs - so hoch wie in keinem anderen EU-Land.
Für zusätzliche Verunsicherung sorgen die Debatten über eine mögliche griechische Umschuldung. Der deutsche Ökonom Lars Feld, pikanterweise ein Berater von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), sagte am Dienstag der Nachrichtenagentur Bloomberg, Athen werde eine Restrukturierung seiner Schulden nicht vermeiden können. Die Griechen sollten daher besser früher als später mit der Umschuldung beginnen, so Feld.
Die Europäische Zentralbank (EZB), die durch ihr Anleihekaufprogramm griechische Papiere in Milliardenhöhe hält, warnt hingegen in immer drastischeren Worten vor einer Schuldenrestrukturierung. So sagte EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark am Wochenende, die Umschuldung eines Euro-Mitglieds könnte gravierendere Folgen haben als die Lehman-Pleite.
An den Märkten erreichten die Renditen für griechische, irische und portugiesische Staatsanleihen neue Rekordstände. Investoren, die noch bereit sind, zweijährige Papiere aus Athen ins Portfolio zu nehmen, lassen sich das damit einhergehende Risiko am Mittwoch mit einer Verzinsung von 25,2 Prozent versüßen - ein erneuter Rekordwert. Bei Zehnjährigen beträgt sie 15,9 Prozent. Anders ausgedrückt: Eine Umschuldung ist längst eingepreist.
Als größere Gefahr für die Euro-Zone gilt vielen Experten allerdings Spanien - schließlich droht eine Rettung des Landes den EFSF-Fonds zu überfordern. Zuletzt hatte es so ausgesehen, als könne sich Spanien von den Problemen der kleineren Peripherieländer abkoppeln. Die Anleiheauktion am Dienstag zeigt indes, dass viele Investoren daran zweifeln.
  • Aus der FTD vom 27.04.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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