Um gute Stimmung bemüht: Mario Draghi vor dem 150-minütigen Kreuzverhör im EU-Parlament
Dabei hatte der EZB-Chef in spe nicht viel zu befürchten. Die Abgeordneten müssen nur gehört werden, den Beschluss fällen die Regierungen bei ihrem Gipfel kommende Woche. Doch für den bald mächtigsten Mann der Euro-Zone ist ein gutes Verhältnis zum EU-Parlament wichtig. Als EZB-Chef und als Vorsitzender des Europäischen Systemrisikorats wird er mindestens sechsmal im Jahr vor dem Ausschuss auftreten. Im Ringen um strengere Euro-Regeln ist das Parlament der Schlüsselpartner der EZB.
Und so wirkt der 63-jährige Notenbank- und Politikprofi zuerst überrascht und dann gereizt, als insgesamt fünf Parlamentarier der Sozialisten, der Grünen und der Linken immer wieder fragen, wie das genau war, als er von 2002 bis 2005 für Goldman Sachs arbeitete. Besonders verwerflich ist aus Sicht der Parlamentarier, dass es der Krisenstaat Griechenland etwa zur gleichen Zeit mithilfe der Investmentbank schaffte, 5,3 Mrd. Euro an Schulden durch komplizierte Währungsgeschäfte zu verschleiern.