Danke, liebe Griechen, dass wir Euch "retten" dürfen! Danke, dass Ihr unsere Milliarden annehmt, für die auch ich mit meinem Steuergeld bürgen darf. Aber ist Euch eigentlich klar, dass Ihr bei diesem Deal den Kürzeren zieht? Denn wir retten nur uns selbst mit dieser Rettungsaktion, wir hauen unsere Banken und unsere Investoren raus. Und Ihr zwackt das Geld dankenswerterweise Euren Rentnern, Beamten und hoffentlich auch ein bisschen Eurem aufgeblähten Militärapparat ab. Danke, warum auch immer Ihr das für uns tut!
Wir Deutschen stehen ja seit einigen Wochen ziemlich schlecht da in Europa. Mangelnde Solidarität wird uns vorgeworfen, weil die Mehrheit unserer Bevölkerung das sogenannte Hilfspaket ablehnt, mit dem Eure Staatspleite verhindert werden soll.
Deutschland hat tatsächlich wenig Mitleid mit Euch Griechen. Mangelnde Solidarität ist allerdings ein absurder Vorwurf - was soll solidarisch daran sein, Eure Staatspleite drei Jahre mit einem sogenannten Hilfspaket aufzuschieben und Euch mit Hochzinskrediten und einem beispiellosen Sparpaket dazu zu zwingen, die Wirtschaft in den kommenden Jahren noch weiter zu schrumpfen? Und nebenbei den Schuldenberg auf rund 150 Prozent Eures armseligen BIPs steigen zu lassen? Als ob Euch das irgendetwas nutzen würde!
Der Deal steht ja nun. Nach Eurer Regierung hat auch unser Kabinett zugestimmt. Zum Geld bekommt Ihr gratis noch einen Packen Belehrungen und Drohgebärden dazu.
Tatsächlich sollte Kanzlerin Angela Merkel Euch dafür danken, dass Ihr Euch nicht längst in die Staatspleite verabschiedet habt. Eine Bankrotterklärung wäre schließlich nicht nur der bequemere, sondern überhaupt der einzig realistische Weg aus dieser Krise. Mit einem solchen klaren Schnitt könntet Ihr Euren maroden Staatsapparat und dessen Finanzierung auf eine solide Basis stellen - und viel weniger grausam sparen.
Bankrott ist ein hässliches Wort. Es erinnert an die wüsten Unruhen in Argentinien, das zum Jahreswechsel 2001/02 zahlungsunfähig wurde. Daran, wie dort Panik ausbrach, als nicht nur ausländische Großinvestoren, sondern auch kleine argentinische Sparer nicht mehr an ihr Geld kamen. Vielleicht seht Ihr vor Euch die Bilder von armen Witwen im eiskalten Russland, die ihr Hab und Gut am Straßenrand verkaufen oder gegen Lebensmittel eintauschen. Doch auch wenn das Wort Staatsbankrott an Währungskrisen, Bankenkollapse und lange Krisen denken lässt: Sowohl in Argentinien als auch in Russland, das 1998 pleiteging, stammen die schlimmsten Bilder aus der Zeit vor der Insolvenz. Nach diesem Schritt stabilisierte sich die Wirtschaft meist rasch.
Teil 2: Zahlungsausfälle vergisst der Markt erstaunlich schnell
Hier ein paar Zahlen: Unterstellt die Spekulanten haben zwischen dem Nominalzins und der derzeitigen Rendite angelegt, also bei 6,42 %. Gemessen am Ausleihezins der EZB für die Banken von 1 % ist das ein Extra-Fressen von 5,42 % und bringt den Spekulanten auf insgesamt 283 Mrd an griechischen Bonds (Stand Ende 2009) jedes Jahr 15,3 Mrd Euro oder insgesamt über die durchschnittliche Laufzeit von 9 Jahren rund 140 Mrd Euro an Gewinn. Bezogen auf die 43,2 Mrd Euro, die deutsche Banken an Griechenlandbonds halten, sind das jedes Jahr 2,3 Mrd Euro oder über die gesamte Laufzeit 21,4 Mrd Euro.
Der Ackermann lachte sich schief, als er heute mit Billigung von Schäuble das freiwillige Hilfspaket der Banken erklärte. Ackermann gibt der KfW Kredit damit die Geld hat, um es nach Griechenland zu überweisen, wovon es dann postwendend, verzinst natürlich, wieder bei Ackermann landet.
Was macht der deutsche Michel? Er suhlt sich mit Behagen in Chauvinismen, die ihm von den Medien beigebracht wurden. Früher war es die "polnische Wirtschaft", heute sind es die Griechen, morgen die Portugiesen und Spanier. Es hat doch gut geklappt zu verschleiern, dass Athens Schuldenkrise nicht Ursache, sondern lediglich Auslöser der neuesten Etappe einer seit Jahrzehnten schwelenden Krise ist. Wer erinnert sich noch an LTCM?