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Merken   Drucken   03.11.2011, 16:35 Schriftgröße: AAA

99-Prozent-Proteste: "Occupy"-Bewegung ist Zeichen für einen Weltkrieg

Kommentar Politik und Unternehmen sind auch in Demokratien miteinander verfilzt und kämpfen paramilitärisch gegen die eigene Bevölkerung. Die Bürger müssen sich dagegen wehren. von Naomi Wolf
Naomi Wolf ist Aktivistin bei der Occupy-Bewegung, Gesellschaftskritikerin sowie Buchautorin.

Es scheint, als hätten die Politiker der USA genug von der Demokratie. Überall im Land werden Zeltlager, die von Anhängern der Occupy-Wall-Street-Bewegung errichtet wurden, auf Anordnung lokaler Behörden von der Polizei geräumt - manchmal mit schockierender und unnötiger Gewalt. Beim bislang schlimmsten Vorfall haben Hundertschaften der Polizei in schwerer Schutzausrüstung das Lager von Occupy Oakland umstellt und Gummigeschosse (die tödlich sein können), Blendgranaten und Tränengas abgefeuert.
"Occupy Oakland" Demonstranten legen US-Hafen lahm
Einige Polizeibeamte haben dabei direkt auf Demonstranten gezielt. Die Twitter-Meldungen von Occupy Oakland lesen sich wie ein Bericht vom Kairoer Tahrir-Platz: "Sie umstellen uns"; "Hunderte von Polizisten"; "gepanzerte Fahrzeuge werden eingesetzt". Es gab 170 Festnahmen.
"Occupy"-Bewegung Plakate des Protests
Unlängst wurde ich selbst festgenommen, während ich friedlich auf einer Straße in Manhattan stand. Das hat mir die Realität dieses harten Durchgreifens deutlich gemacht. Amerika wacht auf und sieht, was geschehen ist, während es schlief: Seine Polizisten werden von privaten Unternehmen umworben (die Großbank JP Morgan Chase  hat der New York City Police Foundation, der Stiftung der New Yorker Polizei, 4,6 Mio. Dollar an Spenden zukommen lassen); das Ministerium für innere Sicherheit der Vereinigten Staaten hat kleinere Polizeibehörden auf kommunaler Ebene mit militärspezifischen Waffensystemen ausgerüstet; die Bürgerrechte der Rede- und Versammlungsfreiheit sind schleichend durch undurchsichtige Genehmigungsauflagen zersetzt worden.
Kommt ein zweites Lehman auf uns zu?

 

Kommt ein zweites Lehman auf uns zu?

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Plötzlich wirken die USA wie der Rest der wütenden, aufbegehrenden, nicht ganz freien Welt. Tatsächlich haben viele nicht begriffen, dass ein Weltkrieg im Gange ist. Er unterscheidet sich von allen vorherigen Kriegen in der Geschichte der Menschheit. Zum ersten Mal identifizieren und organisieren sich Menschen in aller Welt nicht anhand nationaler oder religiöser Gesichtspunkte.
Was hier zählt, sind eher ein globales Bewusstsein sowie Forderungen nach einem friedlichen Leben, einer nachhaltigen Zukunft, wirtschaftlicher Gerechtigkeit und Basisdemokratie. Ihr Feind ist die Verfilzung von Unternehmen und Politik - eine globale Corporatocracy, die Regierungen und Gesetzgeber gekauft hat. Diese Corporatocracy benötigt eigene Bewaffnete, sie steht für die Verwicklung in systemische Wirtschaftskriminalität und lässt Staatskassen sowie Ökosysteme plündern.
Überall auf der Welt werden friedliche Demonstranten dagegen protestieren. Demokratie ist irritierend. Martin Luther King vertrat die Ansicht, dass es gesund ist, den "gewohnten Gang der Dinge" auf friedliche Art und Weise zu stören, damit verborgenes Unrecht zutage tritt, das man anschließend bekämpfen kann.
Idealerweise sollten sich Demonstranten der disziplinierten, gewaltfreien Störung widmen - insbesondere der Störung des Verkehrs. So können auch Provokateure im Zaun gehalten und gleichzeitig die Aufmerksamkeit auf die ungerechtfertigte Militarisierung des polizeilichen Vorgehens gelenkt werden. Notwendig sind Sitzblockaden oder Besetzungen von Arealen über längere Zeiträume.
Das ist ein Grund, warum Demonstranten eigene Anwälte beschäftigen sollten, mit eigenem Geld. Sie sollten ein Heer von Anwälten aufbieten. Der Gedanke, dass Bürger die Rechtsstaatlichkeit zurückerobern werden, versetzt die Corporatocracy in Angst und Schrecken.

Teil 2: "Wäre es nicht einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?"

  • FTD.de, 03.11.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 02.05.2012 12:06:56 Uhr   Frank Poschau: Gib uns unser täglich Brot.

    Herr Gauck,
    Sie wollten sich um jeden in unserem Volk bemühen, nun lassen Sie sich feiern und antworten nicht auf Schreiben vom Volk.
    Könige haben wir schon zur genüge, die Kirche ist uns auch nicht so wichtig, das täglich Brot liegt uns am Herzen.
    Gehen Sie endlich an Ihre Arbeit, Schnittchen essen und Schulterklopfen dachten wir mit Herrn Wulf abgelegt zu haben.
    Mir schleicht sich der Verdacht ein, "der König ist tot, es lebe der König".
    Frank Poschau

    Brot in der Not

    Erst die Süße der Mutter,
    lerne schnell, voller Bauch,
    Brot dick mit Butter,
    ein halbes Schwein tut es auch.

    Fett zu Fett, schwillt an,
    Sinn nach Maß woher,
    andere hungern dann,
    fressen Lehm übers Meer.

    Gezüchtet für die Gier,
    Masse der Industrie,
    geschunden das Tier,
    was drin, wissen wir nie.

    Haut wirft Blasen,
    Krebsstand hoch wie nie,
    erfinden neue Basen,
    hoch der Farmerindustrie.

    Stehen wir dann im Zenit,
    muss eine Krise her,
    es kein Mehr mehr gibt,
    sind alle Bäuche leer.

    Dann schmeckt das Brot,
    ohne Belag wie Kuchen,
    nichts lernend in der Not,
    den Super-GAU suchend.
    Frank Poschau
    22.04.12
    www.frank-poschau.jimdo.com

  • 09.04.2012 11:51:11 Uhr   Frank Poschau: Grass ein Wort
  • 06.03.2012 08:07:09 Uhr   Frank Poschau: Krieg im Gesundheitssystem
  • 24.02.2012 10:45:02 Uhr   Frank Poschau: Versantwortung
  • 11.01.2012 11:02:59 Uhr   Frank Poschau: Wir werden wegen dem Profit vergiftet.
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