Zehntausende Opfer, Kettenreaktionen mit unkalkulierbaren Folgen im Atommeiler Fukushima und eine drohende Versorgungsnot: Japan kämpft gegen eine historische Krise. Ein Regierungssprecher dementierte am Sonntag zwar eigene Angaben, wonach es auch im Reaktor 3 des Atomkraftwerks Fukushima Eins eine "teilweise" Kernschmelze gegeben habe. Ministerpräsident Naoto Kan bezeichnete die Lage im Umkreis von Fukushima aber als alarmierend. In der 150 Kilometer entfernten Provinz Miyagi maßen Experten eine 400 Mal höhere Radioaktivität als normal und führten dies auf die Explosion in Fukushima vom Samstag zurück.
Wie bereits am Reaktor 1 sei im Reaktor 3 die Kühlfunktion ausgefallen, sagte der Regierungssprecher. Dadurch sei das Kühlwasser zurückgegangen, so Yukio Edano. Zuvor hatte er gesagt, es sei zu einer "teilweisen" Kernschmelze gekommen. Dass es im Reaktor 1 schon zu einer Kernschmelze kam, hält die Atomsicherheitsbehörde für sehr wahrscheinlich. Durch Salzwasserzufuhr seien die Brennstoffstäbe inzwischen wieder im Wasser, führte der Sprecher aus. Es könne sein, dass sich dadurch Wasserstoff unter dem Dach angesammelt habe. Doch selbst wenn es wie beim Block Nummer 1 zur Explosion komme, könne der Reaktor dem widerstehen. 80.000 Menschen im Umkreis von 20 Kilometern mussten ihre Häuser verlassen.
Experten befürchten schlimmere Folgen als Tschernobyl
Nach Ansicht des Strahlenbiologen Edmund Lengfelder vom Otto-Hug-Strahleninstitut in München könnten die Folgen noch schlimmer werden als vor 25 Jahren in Tschernobyl. Zwar sei der Ablauf der Katastrophe unterschiedlich, aber Japan sei zwei- bis dreimal so dicht besiedelt wie die Umgebung des ukrainischen Unglücksreaktors: "Ich gehe davon aus, dass es schlimmer wird als in Tschernobyl."
Laut der Nachrichtenagentur Kyodo, die sich auf den Kraftwerksbetreiber Tohoku beruft, wurde in der nordöstlichen Provinz Miyagi 400 Mal höhere Radioaktivität als normal gemessen. Ein Sprecher des Unternehmens sagte, die Reaktoren in der Region seien stabil. Um das AKW Onagawa sei eine erhöhte Strahlung festgestellt worden. Man gehe aber davon aus, dass dies nicht von dem Reaktor stamme. Experten vermuten, dass der Wind Radioaktivität vom gut 150 Kilometer entfernten Unglücksort in Fukushima dorthin geweht habe.