Atompolitik der EU:Oettinger fordert Checks für alle europäischen AKW
Nach dem Beben in Japan plädiert EU-Energiekommissar Oettinger für eine Überprüfung aller Kernkraftwerke in Europa. Die Atomkraft müsse neu bewertet werden.
Die Europäische Union muss nach Einschätzung von Energiekommissar Günther Oettinger die Atomkraft insgesamt auf den Prüfstand stellen. Das AKW-Unglück in Japan werfe die Frage auf, ob "wir in Europa in absehbarer Zeit ohne Kernkraft unseren Strombedarf sichern" können, sagte Oettinger am Dienstag in der ARD. Da mit Deutschland ein großes Mitgliedsland die Atomkraft auf den Prüfstand stelle, könne das Konsequenzen für die gesamte EU haben, sagte Oettinger. Nichtsdestotrotz müsse die Energieversorgung in Europa weiterhin gewährt bleiben. Dafür müssten Leitungs- und Speichernetze für alternative Energien europaweit ausgebaut werden.
EU-Energiekommissar Günther Oettinger will den Einsatz von Kernkraft besser koordinieren
Der EU-Kommissar zieht zudem eine Sicherheitsprüfung für alle Atomkraftwerke in der Europäischen Union in Erwägung. Die Entscheidung über die Technologie sei zwar Sache der einzelnen EU-Länder, sagte Oettinger. "Aber für die Sicherheit ist Europa unteilbar." In Europa müssten Überlegungen über den Einsatz von Kernkraft in jedem Fall länderübergreifend koordiniert werden. Es stelle sich auch die Frage, ob die EU die Debatte auch gemeinsam mit den USA, China und Russland führen müsse und die Folgerungen aus dem AKW-Unglück in Japan nicht weltweit gezogen werden müssten.
In Brüssel treffen sich am Nachmittag die EU-Energieminister, Vertreter der AKW-Hersteller, der Energiekonzerne und Kontrollbehörden zu einer Krisensitzung. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dringt neben dem dreimonatigen Moratorium der AKW-Laufzeitverlängerung in Deutschland auch auf eine europa- und weltweite Debatte über eine höhere Reaktorsicherheit. Am Vormittag berät sie mit den Ministerpräsidenten der Bundesländer, in denen Atomkraftwerke stehen.
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