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  19.10.2009, 16:53    

Betrug an der Wall Street: USA gehen mit Anti-Mafia-Strategien gegen Insiderhandel vor

Weil Hedge-Fonds äußerst geschickt agieren, sind zwielichtige Transaktionen bislang so gut wie gar nicht bestraft worden. Die Verhaftung des Hedge-Fonds-Managers Raj Rajaratnam gilt deshalb als wichtiger Erfolg der Behörden. Er geht auch auf Abhörmaßnahmen zurück - ein Novum bei Insiderhandel.

von Brooke Masters
Die Verhaftung des Hedge-Fonds-Managers Raj Rajaratnam zeigt, wie hart die US-Behörden inzwischen gegen Marktmissbrauch vorgehen. Aus den Gerichtsunterlagen geht hervor, dass in großem Rahmen auf vertrauliche Zeugenaussagen und auf Abhörmaßnahmen zurückgegriffen wurde. Mit ähnlichen Taktiken und Methoden jagen die US-Behörden Mafiosi und Drogenhändler, aber bei Wirtschaftsverbrechen ist es eine Premiere.
"Seit Jahren kursieren Gerüchte, dass die Hedge-Fonds Tipps bekommen. Schön zu sehen, dass sich die Regierung jetzt darum kümmert", sagt der Jura-Professor Daniel Richman von der Universität Columbia. "Die Regierung ist nun zu ganz anderen Dingen bereit, um an Informationen zu gelangen."
Im Zentrum des Falls von Raj Rajaratnam und seinem Hedge-Fonds Galleon steht ein Informationsaustausch, der den Behörden zufolge illegal ist. Kenner der Handelsszene in New York und London sagen, diese Art von Nachrichtenfluss verschaffe vielen Hedge-Fonds und Handelsunternehmen hohe Renditen. Studien haben ergeben, dass im Vorfeld von mehr als 25 Prozent aller Übernahmebekanntmachungen verdächtige Handelsgeschäfte stattfinden.
Der Milliardär Raj Rajaratnam   Der Milliardär Raj Rajaratnam
Der Fall füge sich in die verstärkten Bemühungen seiner Abteilung ein, Marktmissbrauch zu vermeiden, sagt Robert Khuzami, bei der US-Börsenaufsicht SEC für die Strafverfolgung zuständig. "Wir von der SEC sind entschlossen, den Vorhang vor den Hedge-Fonds zurückzuziehen und uns ihre Handlungen ganz genau anzusehen", erklärt er.
Auslöser für die Ermittlungen war den Gerichtsunterlagen zufolge der Verkauf von Hilton. Ein einzelner amerikanischer Händler strich mit Hilton-Optionsscheinen 630.000 $ ein, nachdem der Finanzinvestor Blackstone die Übernahme der Hotelkette verkündete. Derselbe Händler sackte zwei Wochen später 500.000 $ ein, als Google enttäuschende Ergebnisse vorlegte.
Innerhalb von vier Monaten rückte die SEC dem Händler so sehr auf die Pelle, dass dieser schließlich bereit war auszupacken. Dank seiner Informationen konnten die Ermittler den bislang größten Insiderhandel aufdecken, an dem Hedge-Fonds beteiligt waren. Neben Rajaratnam wurden auch Manager von Intel, IBM, Bear Stearns und McKinsey der Verschwörung zu einer Straftat und des Insiderhandels angeklagt.

Teil 2: Marktmissbrauch von Hedge-Fonds

  • The Financial Times, 19.10.2009
    © 2009 The Financial Times
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