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Merken   Drucken   23.04.2012, 21:25 Schriftgröße: AAA

Hackerangriff auf den Iran: Die Rückkehr der Schattenkrieger

Nach der Stuxnet-Attacke von 2010 ist der Iran erneut zum Opfer eines Cyberangriffs geworden. Ziel diesmal: die Ölindustrie des Landes. Um seine Feinde abzuwehren, sucht Teheran nun himmlische Hilfe.
von Berlin

Auf die Verpackung kommt es an: "Iranisches Ölministerium wehrt Cyberangriff ab", jubelte die halbamtliche Nachrichtenagentur Mehr am Montag in einer knappen Meldung. Die Islamische Republik habe die Attacke auf die Ölindustrie des Landes glorreich abgeschmettert, frohlockte der Bericht. "Das Schadprogramm wurde aufgespürt, bevor es Schaden anrichten konnte." Ohnehin existiere von allen Daten ein Backup, so das Ölministerium. Die Botschaft: Dieses Virus tut uns kein bisschen weh.

Doch man könnte die Meldung auch ganz anders schreiben: Schon wieder ist es Teherans Feinden gelungen, einen offenbar komplexen Computerwurm einzuschleusen. Und dieses Mal trifft es den Iran an seinem empfindlichsten Punkt: 60 Prozent seiner Einnahmen stammen aus dem Verkauf des Rohstoffs. Unter anderem legte das Virus einen wichtigen Exportterminal kurzzeitig lahm.

Um die Finanzierung des höchst umstrittenen iranischen Atomprogramms zu erschweren, verbieten die Europäer ab Juli Ölimporte aus dem Land. Da passt es ausgesprochen gut, dass ein Computerangriff nun die Ölindustrie trifft. Erst vor zwei Jahren hatte das hochaggressive Stuxnet-Virus iranische Atomanlagen attackiert und offenbar - auch das wird offiziell in Teheran bagatellisiert - zahlreiche Netzwerke und Zentrifugen beschädigt. Ob sich das Atomprogramm der ehrgeizigen Mullahs davon wieder erholt hat, ist zweifelhaft. Mit Stuxnet wurde gleichzeitig das Ausmaß des Schattenkriegs zwischen dem Westen und dem Iran deutlich. Das Waffenarsenal umfasst dabei fast alles, was moderne Geheimdienste aufzufahren haben - von Cyberwar über Sabotageaktionen bis hin zu Mordanschlägen auf Atomwissenschaftler.

Lange schwieg Teheran betreten, wenn es dem Feind wieder einmal gelungen war, die eigenen Agenten mit einer erfolgreichen Operation zu demütigen. Inzwischen aber ist die Strategie, in die Offensive zu gehen. Bei Stuxnet beschuldigte Teheran wütend Israel als Urheber. Die Regierung in Jerusalem schwieg dazu sichtlich erfreut.

Dieses Mal reagiert das Regime mit einer altbewährten und auch im Westen durchaus beliebten Methode: Es wird eine neue Institution gegründet. Der oberste geistliche Führer Ayatollah Ali Chamenei hat einen Obersten Rat des Cyberspace ins Leben gerufen. Göttlicher Beistand und damit eine erfolgreiche Abwehr von Hightech-Angriffen ist da beinahe garantiert. Es sei denn, der Allmächtige hat andere Präferenzen.

  • Aus der FTD vom 24.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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