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Merken   Drucken   26.01.2012, 12:50 Schriftgröße: AAA

Militäreinsatz im Irak: Ein Schandurteil für die USA

Leitartikel Das amtliche Amerika hatte von Anfang an kein Interesse, das Massaker im irakischen Haditha aufzuklären. Dass die Bluttat ungesühnt bleibt, ist ein Skandal, für den sich Friedensnobelpreisträger Obama schämen muss.
Ein ermordeter irakischer Zivilist ist in der Währung amerikanischer Militärrichter exakt 3,75 Tage Haft wert. Die müssen aus Verfahrensgründen nicht einmal abgesessen werden. Und damit ist die juristische Aufarbeitung eines der schwersten Kriegsverbrechen der US-Armee im Irak ein für alle Mal beendet.
Ein Richterspruch im Korpsgeist. Ein Schandurteil sondergleichen.
Das amtliche Amerika hatte von Anfang an kein Interesse aufzuklären, was am 19. November 2005 in Haditha geschah. Eine Gruppe Marines behauptete, sie sei in der Stadt am Euphrat aus dem Hinterhalt angegriffen worden und habe sich zur Wehr gesetzt. Erst Journalisten brachten später die Wahrheit ans Licht. Nachdem ein Kamerad bei einem Bombenanschlag getötet worden war, verübten acht Marines Blutrache an Zivilisten. Drei Stunden zogen sie von Haus zu Haus und richteten 24 Menschen regelrecht hin. Unter den Opfern waren Frauen, Kinder, Alte - das jüngste war ein einjähriges Mädchen und das älteste ein 77-jähriger Großvater im Rollstuhl. Als "irakisches My Lai" betitelte die Presse das Massaker von Haditha. Es bleibt ungesühnt.
Die Karte zeigt die Stadt Haditha im Irak   Die Karte zeigt die Stadt Haditha im Irak
Gegen sieben beschuldigte Soldaten hatte das südkalifornische Militärgericht die Strafverfahren schon in den vergangenen Jahren eingestellt - aus Mangel an Beweisen oder weil es angeblich keine Anhaltspunkte gab. Jetzt wurden Rädelsführer Frank Wuterich mildernde Umstände attestiert, weil er alleinerziehender Vater sei. Auf diese Weise verletzt das US-Militär die Hinterbliebenen ein weiteres Mal, nachdem es sie zuvor schon gedemütigt hatte mit dem Angebot, für jedes Opfer bis zu 2500 Dollar Entschädigung zu zahlen.
Eigentlich wäre der skandalöse Umgang mit dem Massaker ein Fall für das Uno-Kriegsverbrechertribunal. Aber das wird von den USA und Friedensnobelpreisträger Barack Obama bis heute nicht anerkannt.
  • Aus der FTD vom 26.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 02.02.2012 10:02:22 Uhr   Uri125: Fall Wuterich

    Verkehrte Welt, da wird einerseits ein Mörder als harmlos eingestuft und bekommt ein milde strafe, während ein Aufklärer wie Bradley Manning in verschärften Arrest kommt und wie ein Schwerstverbrecher behandelt wird. Die Werte für Humanität scheinen sich in USA umgekehrt zu haben.

  • 01.02.2012 18:29:47 Uhr   wetaskewin: Schandurteil.
  • 30.01.2012 20:08:58 Uhr   Dustrian: Schandurteil
  • 29.01.2012 12:48:13 Uhr   Beobachter: Schandurteil USA
  • 26.01.2012 18:09:23 Uhr   wiking: US-Soldaten
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