Das Staatsfernsehen zeigte am Donnerstagabend das Gespräch von Staatschef Hosni Mubarak mit seinem Vize Omar Suleiman
Doch bisher wurde er nicht nur von westlichen Regierungen, sondern auch von der Presse meist nur im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt gesehen. Seit einem Jahrzehnt schon spielt Suleiman als Vermittler zwischen Israelis und Palästinensern, aber auch zwischen der Hamas und der Fatah eine zentrale Rolle. Alle Parteien vertrauen ihm. Entsprechend milde haben Medien und Politik bisher über ihn geurteilt.
Tatsächlich aber ist der große, schlanke Mann mit den scharfen Gesichtszügen, der nun das aufgewühlte und aufständische Ägypten mit führen und neu ordnen soll, ein General, der keine Gnade kennt. Wie kaum ein anderer hat er in Ägypten dafür gesorgt, dass die Opposition - und zwar keineswegs nur die islamistische - unterdrückt und klein gehalten wird.
Ein seltsames Gefühl sei es Anfang der Woche gewesen, mit ihm an einem Tisch zu sitzen, sagen Oppositionelle. "Es war im Grunde kein Dialog. Von Suleiman eingeladen zu werden, bedeutet, man wird herbeizitiert", so Amr Hamzawy, Forschungsdirektor des Carnegie Middle East Center. Hamzawy ist Mitglied des selbst ernannten Rats der Weisen, der Vorschläge zur Lösung der Krise erarbeitet. Der Eindruck, den Suleiman gemacht habe, sei der eines Generals: "Sehr staatsmännisch, sehr ruhig, aber eben auch sehr autoritär." Das Statement, das Suleiman nach dem Treffen verlas, habe schon vorher auf den Tisch gelegen. Man habe nur noch Ja dazu sagen können.
Die Demonstranten, die auf dem Tahrir-Platz ausharren, haben sich zwar wochenlang nach dem Rücktritt des verachteten Präsidenten Hosni Mubarak die Kehle heiser geschrien. Doch das bedeutet nicht, dass sie Suleiman wollen, im Gegenteil. Als Geheimdienstchef ist er seit Jahrzehnten einer der gefürchtetsten Männer am Nil. "Er ist ein Mann Mubaraks, ein Mann Israels und ein Mann Amerikas", sagt Mohammed Fauzy, ein Computerspezialist, der seit zwei Wochen in einem Zelt aus Plastikplanen schläft. "Wir wollen ihn nicht."