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  FTD-Serie: Die Top-Ökonomen

Es gibt kaum eine heiße wirtschaftspolitische Debatte oder kluge ökonomische Analyse, in der ihr Name nicht fällt: Joseph Stiglitz, Kenneth Rogoff und Jagdish Bhagwati bilden mit einem guten Dutzend weiterer Top-Ökonomen einen einzigartigen Think Tank. So konträr ihre Ansichten auch sein mögen: Sie schreiben für eine exklusive Serie, die die FTD in Zusammenarbeit mit der internationalen Public-Benefit-Organisation 'Project Syndicate' veröffentlicht.

Merken   Drucken   29.06.2011, 08:52 Schriftgröße: AAA

Top-Ökonomen: Dani Rodrik - Nichts geht gegen das griechische Volk

Egal, wie das griechische Parlament über die Sparpläne abstimmt: Am Ende entscheiden in solchen Krisen meist die Bürger. Die Regierung wird viel Überzeugungsarbeit leisten müssen.
© Bild: 2011 Getty Images
Kommentar Egal, wie das griechische Parlament über die Sparpläne abstimmt: Am Ende entscheiden in solchen Krisen meist die Bürger. Die Regierung wird viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. von Dani Rodrik 
Dani Rodrik ist Professor für internationale politische Ökonomie an der Universität Harvard
Bei der heute mit Spannung erwarteten Parlamentsabstimmung über das Sparpaket steht Griechenland vor einer Schicksalsentscheidung. Doch selbst wenn die Abgeordneten sich zur Zustimmung durchringen sollten, ist Griechenland noch lange nicht gerettet.
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Die Geschichte gibt Anlass zur Skepsis. In einer Demokratie haben, wenn die Forderungen der Finanzmärkte und ausländischen Kreditgeber mit denen von Arbeitern, Rentnern und der Mittelschicht kollidieren, meist die Bürger das letzte Wort.
Die historische Orientierungsmarke bleibt der britische Abschied vom Goldstandard 1931. Großbritannien hatte in den 20er-Jahren den Fehler gemacht, die Parität mit dem Gold auf einem Niveau wiederherzustellen, bei dem die Wirtschaft absolut nicht mehr konkurrenzfähig war.
Anschließend hatte das Land mit Deflation und enorm hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen. Überall gab es Arbeitskämpfe. Im September 1931 schließlich zwang der zunehmende Druck der Finanzmärkte die Regierung, den Goldstandard aufzugeben.
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Schon mehrfach hatte davor ein Land unter dem Goldstandard gelitten. Erstmals aber geschah es nun unter demokratischen Vorzeichen: Die Arbeiterklasse hatte sich gewerkschaftlich organisiert; Massenmedien berichteten über die wirtschaftliche Not der Bevölkerung; und eine sozialistische Bewegung stand in den Startlöchern. Ihren eigenen Instinkten zum Trotz begriffen die Notenbanker und ihre politischen Herren, dass sie nicht länger zu den Folgen der Rezession Distanz halten konnten.
Wichtiger noch: Auch die Anleger begriffen das. Und wenn die Finanzmärkte beginnen, die Glaubwürdigkeit des Bekenntnisses einer Regierung zu einem festen Wechselkurs infrage zu stellen, werden sie zu einer destabilisierenden Kraft. Beim kleinsten Anzeichen, dass die Dinge falsch laufen, fließt Kapital außer Landes. Das beschleunigt den Zusammenbruch der Währung.
Dasselbe Spiel lief Ende der 90er-Jahre in Argentinien ab. Dreh- und Angelpunkt der dortigen Wirtschaftsstrategie war nach 1991 das Konvertibilitätsgesetz, das einen paritätischen Wechselkurs von Peso und Dollar festschrieb und Beschränkungen des Kapitalflusses verbot. Wirtschaftsminister Cavallo betrachtete das Gesetz gleichermaßen als Zügel und Motor der Volkswirtschaft. Die Strategie funktionierte zunächst gut, denn sie brachte die dringend benötigte Preisstabilität.
Doch gegen Ende des Jahrzehnts kehrte der argentinische Albtraum mit voller Macht zurück. Angesichts der asiatischen Finanzkrise und der Abwertung in Brasilien sah der Peso deutlich überbewertet aus. Die Zweifel an Argentiniens Fähigkeit, seine Auslandsschulden zu bedienen, nahmen stark zu. Das Vertrauen brach ein, und wenig später fiel Argentiniens Kreditwürdigkeit unter die mancher afrikanischer Länder.

Teil 2: Was Argentiniens Schicksal letztlich besiegelte

  • FTD.de, 29.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 04.07.2011 19:41:27 Uhr   fat_bob_ger: Zeitzeuge

    Was in zwei Generationen finanziell und wirtschaftlich in GR versaut wurde kann man höchstens in einer Generation beheben. Seit der Zeit der Militärdiktatur ist Griechenland ein zu tiefst ineffizientes, korruptes Land, dessen Bildungspolitik der eines Entwicklungslandes gleicht. Sie haben KEIN Berufsbildungssystem, aber eine 98% Abiturientenquote. Qualifizierte Mitarbeiter müssen von den Firmen on the job ausgebildet werden, der Rest macht, wenns gut läuft Kellner, Fremdenführer oder Taxifahrer.
    Sicherlich ist es äußerst bitter, wenn die Eliten eines Landes derart versagen. Ausbaden müssen dies immer die sog. "kleinen Leute". Wenns nach mir gegangen wäre, hätte man schon vor 5 Jahren den Geldhahn zudrehen müssen. Diese böden Verschwörungstheorien (Großbanken gegen armes kleines Land...) kann ich nicht mehr hören. Das Land ist total pleite, die staatl. Firmen sind ineffizient, die will niemand haben. M. E. muss ein Schuldenschnitt her, eine radikale Sanierung der Staatsbetriebe verbunden mit einem Konjunkturprogramm und einer Reformierung der Ausbildung. Und dann, falls dann Arbeitskräfte fehlen sollten, die 44 Stundenwoche. Blut-Schweiß und Tränen, hier hilft nur die ganz harte Medizin.

  • 01.07.2011 13:33:45 Uhr   John: Korrektur
  • 01.07.2011 12:34:02 Uhr   EswirdZeit: Geld statt in Banken in die Sonnenbahn invest...
  • 01.07.2011 11:47:41 Uhr   John : furchtbar
  • 30.06.2011 09:04:44 Uhr   Zeitzeuge: Gespaltenheit
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