Doch erklären die Finanzkrise und die sich anschließende Rezession dieses hohe Verschuldungsniveau nur in gewissem Grad. In Wahrheit haben viele Länder Europas und der G20 deutlich über ihre Verhältnisse gelebt - und dazu gehört auch Deutschland, trotz seines Rufs als finanzpolitischer Musterknabe.
Selbst in guten Zeiten haben die Regierungen zu lange mehr ausgegeben als eingenommen. Vielleicht noch schlimmer ist, dass manche zudem mehr ausgegeben haben, als sie angesichts ihres durch die Alterung ihrer Bevölkerungen bedingten schwindenden Wachstumspotenzials problemlos zurückzahlen können. Diese Verschwendung hat zu Schuldenständen geführt, die sich, wenn wir nicht handeln, nicht mehr werden bewältigen lassen.
Dies ist der Grund, warum Deutschland 2009 beschloss, strenge Finanzregeln im Grundgesetz zu verankern. Die Schuldenbremse sieht vor, dass der Bund 2016 ein strukturelles Defizit von höchstens 0,35 Prozent vom BIP aufweisen darf und den Ländern strukturelle Defizite ab 2020 ganz verboten sind. Die jetzige Bundesregierung wird diese Regeln mit Sicherheit einhalten, was bedeutet, dass das strukturelle Defizit bis 2016 auf ungefähr 10 Mrd. Euro zurückgeführt werden muss - eine Verringerung von etwa 7 Mrd. Euro pro Jahr.
Mehr als die Hälfte des deutschen Bundeshaushaltes entfallen in diesem Jahr auf Sozialleistungen. Also haben wir kaum eine andere Wahl, als diese, zumindest moderat, zurückzuschneiden. Doch lässt sich diese Art von Haushaltskonsolidierung nur erreichen, wenn eine Mehrheit sie als sozial gerecht empfindet. Ob Sozialhilfeempfänger, staatlich gefördertes Unternehmen oder Beamter: Alle müssen Opfer bringen.