Mit ihren Vielfliegern verbindet das Unternehmen eine Hassliebe. Sie sind zahlungskräftig und treu - aber nicht eben pflegeleicht. Einer von ihnen verklagt die Fluglinie nun, weil sie es wagte, die Meilen-Preise zu erhöhen.
von Jennifer LachmanHamburg
Tobias Eggendorfer ist wohl der Traum einer jeden Fluggesellschaft: Der 35-Jährige ist IT-Professor und Berater - und somit viel in der Welt unterwegs. Etwa 100-mal ist er 2010 geflogen, schätzt der Hamburger. Dieses Jahr war "etwas ruhiger". Bisher gut 80 Flüge hat er auf dem Konto. Japan stand auf dem Programm, die USA, Australien. Eggendorfer hat es dabei gern bequem, fliegt Businessclass, manchmal auch First. Natürlich immer mit dem kleinen Kärtchen: Beim Vielfliegerprogramm Miles & More hat er den Senator-Status; seine Meilen setzt er für neue Flüge ein.
Christoph Franz
Doch nun beschert der Traumkunde Lufthansa-Chef Christoph Franz Ärger. Eggendorfer hat Europas Marktführer nach FTD-Informationen verklagt. Setzt er sich durch, könnte es für die Fluglinie teuer werden. Ein erster Termin vor dem Landgericht Köln findet am 27. Januar statt.
Ende 2010 hatte die Lufthansa auf der Website bekannt gegeben, dass die "Preise" für zahlreiche Meilen-Flüge steigen: Nur vier Wochen später kostete etwa ein First-Class-Flug von Europa nach Asien statt 180.000 Meilen bereits 210.000. Und Eggendorfers stattliches Konto, moniert er, wurde um bis zu 40 Prozent entwertet. Oder um mehrere Interkontinentalflüge - First Class.
Wer könne schon, fragt Eggendorfer, in einem Monat Hunderttausende Meilen verfliegen? Doch nicht nur das. Auch die Art von Lufthansa ärgert ihn: Den Hinweis im Internet musste man suchen, das Kundenmagazin berichtete erst in seiner Januarausgabe. Kleingedruckt, auf Seite 71. "Vor jedem Flug bekomme ich eine Mail mit einer Wettervorhersage - aber von dieser wichtigen Info muss ich zufällig erfahren", schimpft der Vielflieger. Mehrere Briefwechsel, auch mit Konzernchef Franz persönlich, blieben ergebnislos. Seine Klage indes hat Juristen zufolge durchaus Aussicht auf Erfolg.
Als Air Berlin 2007, nach dem Kauf von LTU, die Gültigkeit der Vielfliegerpunkte von fünf Jahren auf sechs Monate verkürzte, pfiff der Bundesgerichtshof die Fluglinie zurück. Erstreitet Eggendorfer ein ähnliches Grundsatzurteil, könnte das der Lufthansa wehtun. 198 Milliarden Meilen hatten sich die heute 20 Millionen Miles&More-Kunden Ende 2010 erflogen. Entsprach das früher 2,2 Millionen Business-Class-Tickets in die USA, sind es heute 1,88 Millionen. Legt man einen Ticketpreis von 3000 Euro zugrunde, ergibt das rein rechnerisch 960 Mio. Euro Gegenwert. Zehn Prozent mehr, als die Lufthansa 2010 operativ verdiente.
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