Die Abwicklung der Firma Neckermann wirkt wie ein weiteres Kapitel in der beinahe unendlichen Geschichte "Internet tötet Versandhandel". Doch so einfach ist es nicht. Das Netz als neuer Vertriebskanal kann für diese Pleite nicht allein verantwortlich gemacht werden. Zum einen, weil die Marke Neckermann schon seit den 70er-Jahren in der Krise steckt, lange bevor das Internet den Markt revolutionierte. Und zum anderen, weil eine neue Möglichkeit zum Verkauf grundsätzlich Chancen bietet. Wer sie nicht richtig nutzt, darf sich eben hinterher auch nicht beschweren.
Es stimmt zwar, dass das Internet Neckermann endgültig den Rest gegeben hat. Doch eigene Fehler auf namenlose Akteure zu schieben ist dann doch zu billig. Das Internet deckt Schwächen gnadenlos auf und hat daher nur beschleunigt, was ohnehin passiert wäre.
Im Fall von Neckermann ist das besonders augenfällig. Mit Billigpreisen hängte das Unternehmen in den 70er-Jahren die Konkurrenz ab, nahm dafür aber ein schlechtes Image in Kauf. Bei Neckermann bestellen, das war so ähnlich wie heute bei Takko kaufen. Neckermanns Schwäche wurde schon in dieser Zeit begründet - erst recht im Vergleich zu den anderen großen Versendern.
Es liegt im Rückblick nahe, dass das Unternehmen damals hätte tun müssen, was es erst in diesem Frühjahr versucht hat: sich unter großen Schmerzen zu entscheiden, welcher kleine Bereich mit den begrenzten finanziellen Mitteln noch zu retten ist. Technik und Möbel hat der Versandhändler zum Schluss noch als stärkste Sortimente definiert. Beide Segmente waren vor Jahren noch weitgehend unbesetzt und hätten mit viel Glück, Geld und Geduld - und auch mit dem Willen zu unpopulären Entscheidungen - eine Basis für ein heute erfolgreiches Unternehmen werden können. Das Internet wäre dabei vielleicht eine Hilfe gewesen.