Erstmals hievt PricewaterhouseCoopers einen Steuerexperten an die Spitze: Ab Juli führt Norbert Winkeljohann Deutschlands größten Wirtschaftsprüfer. Der 52-Jährige gibt für seine Kunden alles - er ist 24 Stunden erreichbar. von Ute Göggelmann
Nur die Wahlkabinen haben sie sich verkniffen. Ansonsten genügte die Kür des Steuerberaters und Wirtschaftprüfers Norbert Winkeljohann zum Vorstandssprecher der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) in Deutschland höchsten demokratischen Standards. Erstmals in der Unternehmensgeschichte durften alle rund 420 Partner den Mann an ihrer Spitze wählen, notarielle Überwachung inklusive. Bislang hatte ein Partnerrat den neuen Sprecher bestimmt. Am Montag wurde bekannt, dass Winkeljohann die Mehrheit erhalten hat.
Norbert Winkeljohann wird Vorstandssprecher von PricewaterhouseCoopers
Auch das ist ein Novum bei Deutschlands führendem Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Mit dem gebürtigen Osnabrücker ist erstmals ein Partner aus dem Bereich Steuern an die Spitze von PwC gerückt und nicht eine Führungskraft aus dem wesentlich umsatzstärkeren Wirtschaftsprüferbereich.
Der 52-Jährige tritt die Nachfolge des derzeitigen Amtsinhabers Hans Wagener im kommenden Juli an. Wagener scheidet dann aus Altersgründen aus. Die offizielle Bestellung Winkeljohanns durch den Aufsichtsrat ist für den 2. Februar vorgesehen.
Winkeljohann sei auf Ausgleich bedacht, heißt es aus dem Unternehmen. "Er hat immer schnell den Überblick und ein gutes Händchen für den Markt", sagt Carl-Friedrich Leuschner, Honorarprofessor an der Universität Osnabrück und Partner beim Rivalen Deloitte & Touche. "Er ist ein Generalist im positiven Sinne." Leuscher und Winkeljohann haben an der Universität Osnabrück zusammen einen Stiftungslehrstuhl gegründet. Wie Leuscher hält auch der neue PwC-Vorstandssprecher Vorlesungen an der Uni seiner Heimatstadt. Winkeljohann gehört dem PwC-Vorstand seit 1999 an. Bevor er 1994 zu PwC kam, war er für andere Wirtschaftsprüfungsgesellschaften tätig.
Im Wahlkampf unter den Kollegen dürften dem promovierten Betriebswirt vor allem seine bisherigen Erfolge geholfen haben. "Er hat sich mit Studien, Roadshows und Diskussionsrunden einen Namen bei der gehobenen mittelständischen Klientel gemacht", sagt der Vorstandssprecher eines Konkurrenten. Diese Mittelstandsoffensive war für PwC neu und erfolgreich. Neben dem Mittelstand und den Familienunternehmen, für die er bisher als Partner zuständig war, steht Winkeljohann auch bei einigen Dax-Mandaten in der Verantwortung.
Er hat verinnerlicht, was Unternehmer schätzen: die persönliche Betreuung. Das wird im härter werdenen Konkurrenzkampf der großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften immer essenzieller. "Unternehmerpersönlichkeiten wollen den direkten Kontakt zu einer Person, weniger zu einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft", sagt ein Manager der Branche.
Für seine Kunden gibt Winkeljohann alles. Er hat seinen Blackberry selbst am Strand oder in den Bergen dabei. Antworten kommen von ihm in der Regel umgehend - 24 Stunden am Tag.Ute Göggelmann
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