Der Sportartikelhändler Runners Point steht zum Verkauf. Der Mehrheitseigner Hannover Finanz hat nach FTD-Informationen die Beratungsgesellschaft Deloitte mandatiert, die Auktion für die frühere Karstadt-Tochter einzuleiten. "Wir wollen die Investorenansprache Anfang August starten", bestätigte der bei Hannover Finanz zuständige Projektleiter Ulrich Mogwitz. Das Unternehmen geht davon aus, dass Runners Point für strategische Investoren interessant ist. Deloitte lehnte eine Stellungnahme ab.
Für den ohnehin dynamischen Sport- und Outdoorhandel bedeutet das eine weitere Veränderung. In den vergangenen Jahren war das Segment durch expansionswillige Konkurrenten, die Ausbreitung der Markenshops etwa von Puma und durch Konkurrenz aus dem Internet in Bewegung. Runners Point ist auf Laufschuhe spezialisiert und erzielte Insidern zufolge im vergangenen Jahr rund 165 Mio. Euro Umsatz. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) soll bei rund 8 Mio. Euro gelegen haben.
Hannover Finanz hatte 2005 an der in Recklinghausen ansässigen Gesellschaft 75 Prozent der Anteile übernommen. Den Rest erwarben die beiden Geschäftsführer Harald Wittig und Otto Hurler im Zuge eines Management-Buyouts zu gleichen Teilen; sie halten damit jeweils 12,5 Prozent an der Gesellschaft. Runners Point gehörte zuvor KarstadtQuelle. Der Konzern - später in Arcandor umbenannt - verkaufte den Sportfachhändler damals, um an Geld für eine Sanierung zu kommen. Gegründet wurde Runners Point 1984, seit 2009 gehören zum Konzept auch Läden, die von Franchise-Nehmern betrieben werden.
Nach der Übernahme durch Hannover Finanz wurde das Filialnetz zwar zuerst verkleinert. Später wurden jedoch die beiden zusätzlichen Vertriebslinien Run2 und Sidestep gestartet. Die Filialzahl liegt nun knapp unter 200. Runners Point, bei Karstadt-Quelle - neben dem Allrounder Karstadt Sport - schon der Spezialanbieter, wurde damit weiter spezialisiert. Zusätzlich wurde die Informationstechnologie modernisiert.
In dieser Form soll das Unternehmen nun verkauft werden. "Wir haben Runners Point nach der Übernahme binnen einem Jahr profitabel gemacht, das Filialportfolio bereinigt, die IT-Systeme umgestellt. Das Unternehmen ist jetzt so aufgestellt, dass es auch für strategische Investoren interessant ist", sagte Mogwitz. "Wir streben einen strukturierten Veräußerungsprozess an. Der Umsatzmultiplikator bei der Preisermittlung bewegt sich im Rahmen dessen, was bei Einzelhandelsunternehmen üblich ist."
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Der auf Fusionen und Übernahmen spezialisierte Datendienstleister Dealogic zählte im laufenden Jahr bisher 243 Transaktionen im europäischen Einzelhandel; diese Firmen wurden im Schnitt zum 11,7-Fachen des Ebitda verkauft. Nach Daten des Finanzdatendienstleisters Bloomberg notieren börsennotierte Unternehmen, die mit Spezialeinzelhändlern wie der Sportartikelkette Foot Locker zu vergleichen sind, gegenwärtig durchschnittlich zum gut Achtfachen des Ebitda 2011. Bei den Kleidungseinzelhändlern kosten Gerry Weber, Bijou Brigitte und vergleichbare Firmen gut das Zehnfache des Ebitda.
Hannover Finanz ist einer der weniger bekannten Finanzinvestoren in Deutschland. Das 1979 gegründete Haus ist auf Beteiligungen an mittelständischen Unternehmen verschiedener Branchen spezialisiert. Die Firmen reichen vom Werkzeug- oder Industriemotorenhersteller über einen Diagnostikanbieter und Chemiehändler bis zum Wert- und Geldtransporter.
In der Vergangenheit war der Investor an einigen bekannteren Firmen beteiligt, wie Fielmann , Rossmann und Aixtron . Die Transaktion fällt in eine Zeit, in der viele Private-Equity-Firmen unter der Flaute stöhnen - unter anderem, weil die unsichere Konjunktur die Gewinnerwartungen vage macht und damit die Basis für die Kaufpreisverhandlungen. Deloitte ist in erster Linie als Wirtschaftsprüfungsgesellschaft bekannt. Wie viele Beratungsfirmen versucht aber auch Deloitte, vom Kerngeschäft in andere Felder zu expandieren.
Hindernislauf
Start Runners Point wird 1984 als Tochtergesellschaft der damaligen Karstadt AG gegründet. Die Läden bieten Sportschuhe und -kleidung an. Später kommen Filialen hinzu, die sich ausschließlich auf Zubehör zum Laufen und Walken spezialisieren.
Ziel Als der Kaufhauskonzern Karstadt-Quelle in die Krise gerät, trennt er sich 2005 von Unternehmensteilen, um Geld für die Sanierung zu erlösen. Er verkauft mehrere Dutzend Karstadt-Kompakt-Warenhäuser, die Textilfachhandelskette SinnLeffers - und Runners Point. Der Investor Hannover Finanz übernimmt drei Viertel der Anteile an Runners Point, den Rest erwerben die beiden Geschäftsführer.