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Merken   Drucken   29.07.2012, 15:22 Schriftgröße: AAA

Umstrittene Fastfood-Kette: Chick-fil-A grillt Hühner mit Gottes Segen

Die US-Fastfood-Kette Chick-fil-A gibt sich bibeltreu: Sonntags bleiben die Geschäfte zu, Mitarbeiter werden vor der Sünde gewarnt. Damit sorgt das Unternehmen im Serviceland USA für Aufsehen.
© Bild: 2012 AFP/ALEX WONG
Die US-Fastfood-Kette Chick-fil-A gibt sich bibeltreu: Sonntags bleiben die Geschäfte zu, Mitarbeiter werden vor der Sünde gewarnt. Damit sorgt das Unternehmen im Serviceland USA für Aufsehen.
von Thorsten Schröder, New York

Wenn Dan Cathy spricht, klingt das oft mehr nach konservativem Prediger als nach Firmenchef. So auch jüngst. "Wir unterstützen die Familie - die biblische Definition der Familie. Wir sind ein Familienunternehmen, im Besitz von Familien, geführt von Familien, und wir sind noch immer mit unseren ersten Ehefrauen verheiratet. Dafür danken wir Gott", so der Geschäftsführer der Fastfood-Kette Chick-fil-A ( gesprochen: Chick-Filet) vor wenigen Tagen in der Baptist Press, dem offiziellen Sprachrohr der Kirchengemeinde.

Chick-fil-A-Firmenchef  Dan T. Cathy   Chick-fil-A-Firmenchef Dan T. Cathy

Mit den Worten katapultierte Cathy sich und sein Unternehmen in die Mitte einer hitzigen Debatte. Der Bostoner Bürgermeister Thomas Menino wandte sich mit einem wütenden Brief an die Firma, die in seinem Bundesstaat eine zweite Filiale plante. "Wir haben hier keinen Platz für Diskriminierung und daher keinen Platz für Ihr Unternehmen", so Menino. Bürgermeister aus San Francisco und Chicago schlossen sich an, die ehemalige Mutterfirma der "Muppets", The Jim Henson Company, beendete die jahrzehntelange Zusammenarbeit. Kirchenvertreter und konservative Politiker wie Mike Huckabee sprangen der Kette zur Seite und riefen den kommenden Mittwoch zum "Chick-fil-A-Tag" aus.

Auf den ersten Blick unterscheidet Chick-fil-A wenig von der Konkurrenz. In gut 1600 Filialen bietet die Kette frittierte Hühnerbrust, Salate und Milkshakes an. Die Fangemeinde der Hühner-Kette ist so treu, dass bei einer Neueröffnung manche vor den Filialen übernachten, um die ersten zu sein. Bis heute ist die Firma nicht börsennotiert, der Umsatz liegt nach eigenen Angaben bei über 4,1 Mrd. Dollar - im Vergleich zum Vorjahr ein Wachstum von über 13 Prozent.

Doch hinter den Kulissen wirkt vieles befremdlich. Dan Cathy's Vater Truett hat das 1946 im kleinen Ort Hapeville im Bundesstaat Georgia gegründete Unternehmen auf biblischen Grundsätzen aufgebaut. Sonntags bleiben die Läden geschlossen, damit die Mitarbeiter in die Kirche gehen können, Schulden macht das Unternehmen nicht, ein Teil des Gewinns jeder Filiale fließt an die Gemeinden. "All das macht uns zu einer stärkeren Firma und stärkt die Chick-fil-A-Familie", so das Unternehmen auf seiner Internetseite.

Kritiker werfen der Firma vor, dabei zu weit zu gehen. Bei der Vergabe von Jobs werden verheiratete Bewerber bevorzugt, Franchise-Bewerber und deren Familienmitglieder ausführlich interviewt. "Wenn Sie nicht vorhaben, Ihr Leben lang zu bleiben, sollten Sie sich gar nicht erst bewerben", fasst es Truett Cathy zusammen. Sollte ein Mitarbeiter sündigen, so Cathy einmal im Interview, würde er ihn höchstwahrscheinlich feuern.

Nicht alle Mitarbeiter sind damit glücklich: Mehr als ein Dutzend Mal ist die Firma wegen Diskriminierung verklagt worden. Ein muslimischer Mitarbeiter klagte 2002, weil er gefeuert worden sei, nachdem er sich nicht an einem Gruppengebet beteiligen wollte. Erst in der vergangenen Woche klagte eine Mitarbeiterin, die entlassen worden war, damit sie sich besser um ihre Kinder kümmern kann.

Doch der Einfluss beschränkt sich nicht auf das Geschäft. Zu der Kette gehört die mächtige WinShape Foundation, die unter anderem Pflegeheime und Sommerlager betreibt. Die konservative Organisation steckt Millionen in Anti-Schwulen-Kampagnen und Programme zur Wahrung der Ehe. "Chick-fil-A gehört zu den bösartigsten Gegnern von Schwulenrechten im Land", warnt die Organisation Equality Matters. Im Februar gingen Studenten im ganzen Land auf die Straße, um die Filialen von den Campusen der Universitäten zu verdrängen.

Die Firma ruderte angesichts der massiven Kritik nun zurück. "Es ist Tradition von Chick-fil-A, jede Person mit Würde und Respekt zu behandeln - unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Rasse, sexueller Orientierung oder Geschlecht", hieß auf Facebook. "Von nun an überlassen wir die politische Debatte zur gleichgeschlechtlichen Ehe der Regierung und politischen Arena."


Sein erstes Restaurant eröffnete Truett Cathy 1946 in Hapeville, Georgia. In den 1960er-Jahren folgten die ersten Filialen in Shopping-Malls unter dem Namen Chick-fil-A. Heute ist die Kette nach eigenen Angaben die am zweitschnellsten wachsende Hühner-Fastfoodkette des Landes und erwirtschaftet mit 1615 Filialen - die meisten davon im amerikanischen Bible Belt - in 39 Bundesstaaten und Washington 4,1 Mrd. Dollar (Zum Vergleich: McDonald's betreibt in den USA gut 14.000 Restaurants und erwirtschaftete 2011 rund 8,5 Mrd. Dollar). Allein im vergangenen Jahr wuchs die Kette um mehr als 13 Prozent. Bis heute befindet sich Chick-fil-A im Familienbesitz.


  • FTD.de, 29.07.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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