Selbst aus dem fernen Singapur erhielt Tobias Eggendorfer prompt Unterstützung. "Was die Lufthansa gemacht hat, ist in der Tat eine Frechheit!", empörte sich Stefan Kuhn, wenige Stunden nachdem er in der FTD von der Klage seines Vielflieger-Kollegen Eggendorfer erfahren hatte.
Der 34-Jährige, der in der asiatischen Metropole für eine britische Bank arbeitet, hatte sich selbst schon bei der Wettbewerbszentrale in Bad Homburg beschwert - weil die Lufthansa im Dezember 2010 kurzfristig die Preise ihres Vielfliegerprogramms Miles & More angehoben hatte. Jetzt hat er seine Anwälte angewiesen, Eggendorfers Begründung im Detail zu prüfen: "Wir würden uns der Klage sofort anschließen", sagte er am Donnerstag.
"Wir", das ist nicht irgendwer, sondern eine illustre Gruppe von sechs Lufthansa-Spitzenkunden. Jeder von ihnen ein Mitglied des sogenannten HON-Circle und somit bei Europas größter Fluggesellschaft verantwortlich für einen jährlichen Umsatz zwischen 50.000 und 100.000 Euro. Im Klartext: Kuhn und seine Freunde geben jeweils innerhalb eines Jahres mehr für Flugtickets aus, als viele andere Menschen brutto verdienen. Insgesamt knapp 8000 HONs - Erkennungszeichen: schwarze Miles&More-Kärtchen, lederner Gepäckanhänger mit gelben Nähten - soll es geben, schätzen Beobachter. Die genauen Zahlen hält die Lufthansa unter Verschluss. Geschäftsgeheimnis.
Eggendorfers Fall zeigt jedoch eindrücklich, wie rege, solidarisch und gut vernetzt diese Vielflieger sind. In den speziellen Foren der Szene, wie Vielfliegertreff.de oder Flyertalk.com ist er jetzt für viele ein Held. Der 35-jährige IT-Professor und Berater klagt dagegen, dass die Lufthansa die Vielfliegermeilen entwertet hat. Ein First-Class-Flug von Europa nach Australien kostet seit Januar 290.000 Meilen - und damit 21 Prozent mehr. Nur vier Wochen, und das in der Vorweihnachtszeit, hatten die Kunden Zeit, wenn sie ihre Meilen noch zu den alten Konditionen nutzen wollten. Ein Unding, findet Eggendorfer. Auch, weil die Lufthansa nur verschämt über die Neuerung informierte: Das Kundenmagazin "Exclusive" etwa berichtete erst in der Januar-Ausgabe.
Die Lufthansa habe rechtzeitig und auf mehreren Kanälen informiert, verteidigte sich ein Sprecher der Fluglinie. Ansonsten wollte er sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern. Ob Eggendorfer sich vor dem Landgericht Köln durchsetzen wird, ist offen. Schon jetzt hat die Lufthansa aber bei ihren wichtigsten Kunden einen Imageschaden erlitten, denn die Nachricht hat sich in der Community - der neben den 8000 HONs auch etwa 125.000 Senatoren angehören - wie ein Lauffeuer verbreitet.
Teil 2: Was das "RAL" neben dem Namen bedeutet