In Europa setzen sich Premiumautobauer immer deutlicher von Massenherstellern ab. Während Produzenten günstiger Modelle wie Opel, Peugeot oder Fiat über Werksschließungen nachdenken, erwirtschaften BMW , Porsche , Audi und Mercedes weiter Rekordgewinne. Am Donnerstag veröffentlichte BMW einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) in Höhe von 2,1 Mrd. Euro; 19 Prozent mehr als im Vergleich zum Vorjahr. Für die Münchner war dies das beste Auftaktquartal in der Unternehmensgeschichte. Porsche erzielte ein Ebit von 528 Mio. Euro - plus 18,4 Prozent. Tage zuvor hatten bereits Daimler und Audi Bestwerte vorgelegt.
Für die Premiumautobauer zahlt sich ihre weltweite Präsenz aus. Sie profitieren sowohl von der Lust neureicher Chinesen auf große Luxusschlitten als auch von einer wachsenden Nachfrage in den USA. Kriselnde Hersteller wie Fiat, Peugeot oder Opel sind auf beiden Märkten so gut wie nicht vertreten. Stattdessen konzentriert sich ihr Geschäft auf Europa, wo durch die Schuldenkrise die Nachfrage leidet. Märkte wie Spanien oder Italien haben sich im Vergleich zu 2007 halbiert.
Im Windschatten der Autobauer gewinnen auch die Zulieferer. Das erste Quartal sei bei Umsatz und operativem Ergebnis das beste in der Firmengeschichte, teilte Continental am Donnerstag mit.
Die Börse reagierte zunächst erfreut. Angeführt von Kursgewinnen bei BMW legte der DAX zu, schloss aber leicht im Minus. Ähnlich erging es BMW: Zwischenzeitlich vier Prozent im Plus schloss das Papier nur leicht verbessert bei 71,68 Euro.
Weder Conti, Porsche noch BMW sehen derzeit Anzeichen für einen abrupten Einbruch der Nachfrage. BMW-Chef Norbert Reithofer zeigte sich optimistisch: "Wir streben 2012 weiterhin neue Bestmarken bei Absatz und Konzernergebnis vor Steuern an." 2011 erwirtschaftete BMW unter dem Strich 4,9 Mrd. Euro. Auch Conti-Finanzvorstand Wolfgang Schäfer teilte Reithofers Einschätzung. Kurzfristig erwartet er keine größeren Rückschläge, sagte er. Allerdings bestünden weiterhin Risiken. Als Gefahren nannte Schäfer die hohe Sensibilität der europäischen und internationalen Finanzmärkte, aber auch die Entwicklung der Rohstoffpreise.
Eine schleppende Nachfrage in Europa konnten die Premiumautobauer durch ein anhaltendes Wachstum in China mehr als wettmachen. Für BMW und Porsche war die Volksrepublik im Startquartal erstmals das größte Absatzland. Auch wenn dort allmählich Kunden um Rabatte feilschen, werfen die Geschäfte mehr Geld ab, weil besonders große Limousinen mit luxuriöser Innenausstattung und teuren technischen Extras gefragt sind.
In China, wo Porsche in den ersten drei Monaten 7099 Autos absetzte, erwartet der Autobauer zum Sommer hin einen weiteren Schub. Der neue Sportwagen 911 ist dort erst seit Kurzem zu haben. Durch besser werdende Straßen greifen Kunden auch verstärkt zum Ur-Porsche statt wie bisher zum Geländewagen Cayenne. Dieser ist das meistverkaufte Modell von Porsche im Sortiment.
Unter den Premiumautobauern konnte BMW die Spitzenposition vor Audi und Daimler bei allen wichtigen Kennziffern wie Absatz, Umsatz und Gewinn verteidigen. Auch bei der Profitabilität verwies BMW die Konkurrenten erneut auf die Plätze: Die sogenannte Ebit-Marge, die das Verhältnis von Umsatz zum operativen Ergebnis ausdrückt, lag im Startquartal bei 11,6 Prozent. Audi verdiente operativ 1,4 Mrd. Euro und schaffte damit eine Ebit-Marge von 11,4 Prozent. Daimler hatte für die Autosparte zwar ebenfalls einen Absatzrekord verbucht der Gewinn vor Zinsen uns Steuern ging aber leicht auf 1,3 Mrd. Euro zurück. Die Umsatzrendite sank bei Daimler deswegen von 9,3 auf 8,4 Prozent.
Trotz der Rekordergebnisse ging die Profitabilität wie schon bei Daimler auch bei BMW leicht zurück. Höhere Ausgaben für Entwicklung und Produktion neuer Fahrzeuge und für die Forschung an Technologien wie Karbonfasern oder Elektroantrieb sowie niedrigere Preise in schwächelnden europäischen Märkten schlugen zu Buche. Selbst Porsche, der weltweit wirtschaftlichste Autobauer, verbuchte aus den gleichen Gründen einen Rückgang bei der Ebit-Marge um zwei Prozentpunkte auf 17,5.