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Merken   Drucken   31.08.2011, 19:29 Schriftgröße: AAA

E-Mobilität: Spätzünder Siemens

Leitartikel Das Elektroauto wird längst nicht mehr belächelt. Die Kooperation von Siemens und Volvo zeigt, dass sich hier Akteure in Stellung bringen, die wirklich glauben, dass damit künftig Geld verdient werden kann. Für die Münchner ist die Partnerschaft ein richtiger Schachzug.
Die Zeiten sind vorbei, als man über Elektromotoren im Straßenverkehr nur müde lächeln konnte. Am Mittwoch verkündeten auch der Siemens-Konzern und der schwedische Autobauer Volvo, dass sie gemeinsam Antriebssysteme für Elektroautos entwickeln wollen. Sie sind nicht die Ersten, die bei der E-Mobilität kooperieren: Siemens -Konkurrent General Electric  und der japanische Autohersteller Nissan  tüfteln an gemeinsamen Solartankstellen, Daimler  kooperiert mit Bosch, General Motors  arbeitet mit dem Elektronikkonzern LG  zusammen, BMW  mit der französischen PSA -Gruppe. Die Konzerne machen Ernst.
Hier bringen sich Akteure in Stellung, die daran glauben, dass in Zukunft mit Elektromobilität wirklich Geld verdient werden kann. Lange war überhaupt nicht absehbar, ob die Elektromobilität tatsächlich ein Markt der Zukunft sein würde oder nur ökologisches Wunschdenken. Und auch heute gibt es noch viele Fragezeichen, zum Beispiel ob es gelingt, eine leistungsfähige und effiziente Infrastruktur zur Energieversorgung für E-Verkehr sicherzustellen.
Trotzdem ist Siemens mit seinem Engagement gerade noch rechtzeitig aufgesprungen. Später als andere, aber nicht zu spät. Für Siemens ist die Partnerschaft ein richtiger und wichtiger Schachzug.
Erstens: Anders als die in diesem Bereich bereits sehr engagierten Konkurrenten wie Bosch oder Conti kann Siemens seinem Partner Volvo (und anderen Interessierten aus der Autobranche) die Expertise eines Konzerns bieten, der die gesamte Wertschöpfungskette kennt. Zugleich sichert sich Siemens Zugang zum letzten Glied dieser Kette, die von der Kraftwerksherstellung über den Bau der Stromnetze und die Bereitstellung der Stromladestationen bis zum E-Motor reicht.
Zweitens: Selbst wenn der Marktdurchbruch des reinen Elektroautos noch auf sich warten lässt - über die mögliche Verwendung der Elektromotoren in Hybridfahrzeugen hat Siemens schon jetzt weit größere Absatzpotenziale, als man auf den ersten Blick vermutet.
Kursinformationen und Charts
  Siemens 67,31 EUR  [-1.25 -1,82%
  General Electric 19,04 USD  [-0.31 -1,60%
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Drittens: Die Verbindung mit dem kleinen schwedischen Autobauer macht es langfristig für Siemens auch leichter, auf einem der attraktivsten Märkte für E-Mobilität Fuß zu fassen: in China. Denn Volvo gehört seit vergangenem Jahr dem chinesischen Autokonzern Geely  - der vielleicht auch bald Interesse an einer Kooperation mit Siemens anmelden könnte.
Und auch für den potenziellen E-Auto-Käufer kündigen sich bessere Zeiten an: Die neuen Allianzen werden den Innovationswettbewerb verstärken, sie werden leistungsfähigere Motoren und Batterien hervorbringen. Und sie werden langfristig zu dem führen, was meistens einer neuen Technologie auf einem Massenmarkt zum Durchbruch verhilft: zu sinkenden Preisen.
02:44:45 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Siemens 67,31 EUR   -1,82%  -1.25
General Electric 19,04 USD   -1,60%  -0.31
Volvo 82,280456 SEK   -1,86%  -1.555916
BMW 62,01 EUR   -3,11%  -1.99
Peugeot Citroen 8,213 EUR   -3,46%  -0.294
  • Aus der FTD vom 01.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 01.09.2011 08:20:35 Uhr   Keily: Spätzünder Siemens

    Siemens hat bereits von Anfang der Neunziger bis 2002 intensiv an Antrieben für Elektro- und Hybrid Autos gearbeitet (in den damaligen Bereichen Siemens Automotive bzw. Siemens VDO). In 2002 wurden sämtliche Entwicklungsaktivitäten auf dem Gebiet eingestellt, das vorhandene Wissen "in Stahlschränke" gesperrt. Grund: zu niedrige Erträge dieser Geschäftseinheit. Wo war denn da das "Grüne Gewissen" von Siemens?
    Warum sollte es diesmal anders sein? Wieder wird ein langer Atem notwendig sein, um mit dieser Technik Geld zu verdienen. Siemens zeigt im Moment doch eindrucksvoll, wie schnell man sich von allen Geschäftseinheiten trennt, die nicht die gewünschten Renditeziele erreichten. Auch diesmal wird es nicht anders werden.

  • 31.08.2011 23:50:22 Uhr   Beobachter: Das Elektroauto
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