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Merken   Drucken   03.09.2012, 20:47 Schriftgröße: AAA

Energiewende: Patzer im RWE-Vorzeigekraftwerk

Nach gerade mal drei Wochen  versagen die beiden modernsten Braunkohleblöcke im RWE-Kraftwerk Neurath - 2100 Megawatt Produktionskapazität brechen weg. Damit verdüstern sich die Hoffnungen des Konzerns für die Zeit nach dem Atomausstieg.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Federico Gambarini
Nach gerade mal drei Wochen versagen die beiden modernsten Braunkohleblöcke im RWE-Kraftwerk Neurath - 2100 Megawatt Produktionskapazität brechen weg. Damit verdüstern sich die Hoffnungen des Konzerns für die Zeit nach dem Atomausstieg.
von Düsseldorf

RWE  muss Pannen im neuesten Kraftwerkstyp eingestehen, auf den der Stromkonzern große Hoffnungen für die Energiewende setzt. Am vergangenen Donnerstag musste die Erzeugungstochter RWE Power innerhalb von zehn Minuten zwei Großgeneratoren des Typs BoA vom Netz nehmen. "Wir hatten einen Fehler in der Leittechnik", bestätigte ein Unternehmenssprecher am Montag. Der abrupte Ausfall der Leistung von 2100 Megawatt führte kurzfristig zu Netzschwankungen, konnte aber doch von den Netzbetreibern gemeistert werden.

Für RWE hängt von einem reibungslosen Betrieb der Modelle BoA 2/3 am Standort Neurath viel ab. Dank einer hochmodernen Steuerung und ausgefeilter Werkstoffe können sie fast so flexibel gefahren werden wie sonst nur Gaskraftwerke. Damit könnten sie die schwankenden Einspeisungen von Wind- und Solarenergie ausgleichen - wenn es gut geht.

Doch am Donnerstag versagte die von Siemens gelieferte Leittechnik, eigentlich der technische Clou der beiden Großgeneratoren. Um 14.03 Uhr ging zunächst Block Neurath G in die Knie. Sieben Minuten später folgte der Nachbarblock Neurath F, sagte eine Sprecherin der Bundesnetzagentur. Nach Daten, die die Kraftwerksbetreiber im Internet veröffentlichen, zog sich der Ausfall bis in die frühen Freitagmorgenstunden hin. Eine weitere Panne ereilte RWE am Standort Weisweiler, wo am Freitag ein großer älterer Block ausfiel. Zwischen beiden Vorfällen gibt es laut RWE Power keinen ursächlichen Zusammenhang.

Der plötzliche Wegfall der Leistung von 2100 Megawatt am Donnerstag sorgte für spürbare Frequenzschwankungen, die der Netzbetreiber Amprion aber ausgleichen konnte. "Das europäische Netz ist darauf ausgelegt, dass bis zu 3000 Megawatt ausfallen können", erklärte ein Sprecher von Amprion. So viel werde immer an sogenannter Regelenergie für den Einsatz innerhalb einer Sekunde vorgehalten. Innerhalb der nächsten Minuten werden anschließend kurzfristig verfügbare Reserven wie Pumpspeicher- oder Gaskraftwerke aktiviert. Eine kritische Situation sei nicht entstanden, erklärten Amprion und die Netzagentur.

Allerdings waren die Schwankungen weiträumig spürbar. "Wir hatten messtechnisch eine Regelabweichung", heißt es bei Tennet, dem Betreiber des benachbarten Hochspannungsnetzes.

Die erst vor drei Wochen in Betrieb genommenen Blöcke im rheinischen Neurath sind mit 2,6 Mrd. Euro nicht nur eine der größten Investitionen in der RWE-Geschichte. Sie könnten sich dank der neuen Flexibilität auch als Königsweg für den Konzern erweisen, seine Braunkohlevorräte in die künftige Energiewelt als Ergänzung zu den Erneuerbaren hinüberzuretten - so die Hoffnungen der Konzernstrategen. "RWE treibt die Energiewende voran. BoA 2/3 ist ein wichtiger Baustein dieser Strategie", sagte Vorstandschef Peter Terium vor nicht einmal drei Wochen bei der offiziellen Inbetriebnahme im Beisein von Bundesumweltminister Peter Altmaier. Um dies zu demonstrieren, gab er den Befehl zur schnellen Absenkung der Leistung, statt auf den klassischen Startknopf zu drücken. Programmgemäß fiel die Erzeugung binnen fünf Minuten um 150 Megawatt, um anschließend ebenso schnell wieder zu steigen. Auch Altmaier lobte die "hohe Effizienz" und gute Flexibilität der neuen Blöcke. Klassischerweise wird Braunkohlestrom rund um die Uhr produziert.

Dass die Panne keine größeren Folgen hatte, liegt auch an der Arbeit der Netzbetreiber. Die Bundesnetzagentur lobte am Montag die "weiterhin hohe Versorgungsqualität". 2011 hätten die Endverbraucher durchschnittlich lediglich an 15,31 Minuten unter Stromunterbrechungen gelitten - nur 41 Sekunden länger als im Vorjahr und im internationalen Vergleich ein Spitzenwert, so die Behörde.

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