Leitartikel
Man kann dem Konzern nicht vorwerfen, die Gentechniktochter von Rheinland-Pfalz in die USA zu verlagern. Dort allerdings wird es für den Konzern nicht einfacher.
Wie leicht wäre es angesichts der Kunde aus Ludwigshafen, den Deutschen wieder einmal Technologiefeindlichkeit zu bescheinigen: BASF sieht sich gezwungen, seine Gentechniktochter Plant Science von Rheinland-Pfalz in die USA zu verlagern. In Europa mangele es an Akzeptanz für die Pflanzenbiotechnologie, beklagt das Unternehmen. Also forscht es künftig im Land der unbegrenzten Möglichkeiten.
Vorwerfen kann man BASF diese Entscheidung nicht. Es stimmt ja: Bei der Gentechnik hat der Chemiekonzern in Europa einen lange Geduldsprobe hinter sich. Ganze 13 Jahre musste er für die Genehmigung einer einzigen genmanipulierten Kartoffelsorte namens Amflora kämpfen - die noch nicht einmal zum Verzehr gedacht war. Die Politik hätte hier schneller und eindeutiger Entscheidungen treffen können. Zumindest als klar wurde, dass die Gentechnik bei Bauern wie Verbrauchern auf breite Ablehnung stößt und nicht nur auf den Widerstand einiger Ökospinner.
Künftig forscht BASF dort, wo auch am ehesten ein Markt ist. Für Deutschland ist das aber noch lange kein Grund, Plant Science hinterherzuweinen. Neben diffusen Ängsten gibt es gute Gründe für die ablehnende Haltung der Politiker und Verbraucher: Von den Verheißungen der Gentechnik ist bisher wenig in Erfüllung gegangen. Und BASF hat es in all den Jahren nicht geschafft, die Sorgen der Skeptiker zu zerstreuen. So fanden sich etwa auf schwedischen Versuchsfeldern neben Amflora auch Pflanzen der noch ungenehmigten Sorte Amadea. Solche Pannen geben Befürchtungen Nahrung, dass die manipulierten Sorten sich eben doch nicht fein säuberlich von konventionellen Arten abgrenzen lassen.
Ob BASF mit der grünen Biotechnologie in Amerika glücklich wird, ist im Übrigen fraglich. Denn so leicht die USA den Unternehmen das Forschen machen, so teuer können die Ergebnisse dort für sie werden. So schlägt sich Bayer derzeit mit Regressforderungen von Reisfarmern und -mühlen in Höhe von 720 Mio. Euro herum. Bayers genmanipulierter Langkornreis hatte sich mit herkömmlicher Ernte vermischt und den Produzenten den Export nach Europa versperrt.
Deutschland darf sich also beruhigt als guter Verlierer präsentieren und Plant Science gute Reise wünschen. Und viel Glück. Die BASF-Tochter wird es brauchen.
Das ist das allerbeste, was ich seit langem gehört und gelesen habe. Ich muss so lachen. Keine Gründe um Gentechnik abzulehnen?
Also mir fallen da ein paar ein.
... sind alles tolle Erfindungen die Unternehmen reich gemacht haben und Menschen töteten, weil sie im menschlichen Großversuch getestet wurden. Das gleiche vollziehen die Monsantos und BASFs dieser Welt gerade in Entwicklungsländern. Für mich sind das Verbrecher.
Ich schließe mich den Äußerungen von "Frankfurter" und Stefan Rauschen uneingeschränkt an und bitte auch zu berücksichtigen, dass die deutsche Wirtschaft und damit der Wohlstand in unserem Land von der Weistsicht und Innovation von Unternehmen wie BASF sichergestellt wurden (Stichwort Nitrophoska). Die Folge des Abzugs der zukunftsträchtigen Pflanzen-Biotech-Sparte eines global führenden Unternehmens ist langfristig für uns eine Katastrophe. Dies vor allem, weil es keine guten Gründe gibt, die "grüne" Gentechnik abzulehnen.
Man kann es auch ganz unpolitisch sehen: Das Zeug will in Europa niemand und glücklicherweise ist der Versuch der Industrie, es durch die Hintertür durch mangelnde Kennzeichnung etc. der Kundschaft doch noch unterzujubeln, fehl geschlagen. Einn Nutzen gab es offenbar sowieso nur für den Hersteller. Die Bauern behalten das an Freiheit, was ihnen noch geblieben ist, ebenso die Kunden. Das nennt man Markwirtschaft, zu betrauern gibt es da in der Tat nichts.
BASF hat diesem Land in Sachen Gentechnik und Biotechnologie viel zugemutet. Vor allem durch die Verbindung mit dem dunklen Lord Monsanto hist dem Unternehmen sein gutes Image in Deutschland abhanden gekommen. Für die amerikanischen Einwohner und Verbraucher tut es mir allerdings sehr leid. Vor hohen Regresszahlungen sollte immer erst der Verbraucherschutz stehen, das ist in den USA jedoch nicht der Fall, zum Leidwesen der Menschen die dort leben.
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