Es wird eng für den Siemens-Konzern und seinen Aufsichtsratschef. Gerhard Cromme will zur nächsten Hauptversammlung im Januar 2010 Vergleiche mit allen Ex-Vorständen vorlegen, von denen Siemens Wiedergutmachung für die Korruptionsaffäre fordert. Doch im Moment sieht es nicht danach aus, dass ihm das gelingt.
Zwar hat Oberkontrolleur Cromme mit drei der früheren Vorstände Vergleiche erzielt – zu 500.000 Euro pro Person. Die harten Nüsse wurden jedoch auch nach über einem Jahr Verhandlungen noch nicht geknackt, darunter die Ex-Vorstandschefs Heinrich von Pierer und Klaus Kleinfeld. Von denen fordert Siemens auch ganz andere Summen: 6 Mio. respektive 2 Mio. Euro. Nun also das Ultimatum: Stimmen die Herren diesen Vergleichen nicht bis Mitte November zu, will Siemens Schadensersatzklagen einreichen.
Die Beträge sind für die Verhältnisse von Vorständen zwar nicht astronomisch, aber doch ordentlich. Pierer soll immerhin mehr als eines seiner früheren Jahresgehälter zahlen. Dabei hat Cromme allem Anschein nach wenig Konkretes gegen die Ex-Vorstände in der Hand. Diesen persönliches und konkretes Fehlverhalten nachzuweisen, das zu den Korruptionsschäden geführt hat, dürfte schwierig werden. Vor allem im Fall von Pierer und Kleinfeld, bei denen die Staatsanwaltschaft mangels ausreichender Verdachtsmomente nicht einmal strafrechtlich ermittelt. Dem heutigen Alcoa-Chef Klaus Kleinfeld bescheinigte dagegen die US-Börsenaufsicht SEC sogar, dass er in seiner Zeit an der Siemens-Spitze zur Aufklärung der Vorfälle beigetragen habe.
So versucht Cromme ganz offenbar abermals, den Druck über die Presse zu erhöhen. Dafür sprechen eine ganze Reihe von Artikeln, die in den vergangen Tagen erstmals zu dem Thema erschienen sind, ohne dass es wirklich etwas Neues gäbe. Eine solche Schlammschlacht hat mit guter Unternehmensführung jedenfalls wenig zu tun.